Die zwanzig häufigsten Mythen und Fakten rund ums Kafttraining: Nr. 4 bis Nr. 6
Mythos 4:
Krafttraining für Kinder ist sinnlos und gefährlich.
Auch Kinder brauchen
regelmässiges Kraft-training in einer Form,
die ihrem Entwick-lungsstand und ihrem Temperament entspricht.
Die Kraft nimmt im ersten Lebensjahr um mehrere Hundert Prozent zu. Die Eltern können viel zu einer gesunden Entwicklung ihrer Kinder beitragen, wenn sie ihnen schon im Kleinkindalter täglich die Möglichkeit geben, die eigene Kraft zu spüren, einzusetzen und durch vielseitigen, spielerischen Gebrauch zu entwickeln.
Vor dem Eintritt in die Pubertät dürfen wir keine starke, durch das Trainings bedingte Zunahme der Muskelmasse erwarten.Bei regelmässiger und intensiver Beanspruchung des neuromuskulären Systems kommt es jedoch zu einer deutlichen Verbesserung der intermuskulären und intramuskulären Koordination und dadurch zu einer Zunahme an Kraft.
Intermuskuläre Koordiniation: Optimales Zusammenspiel der Muskeln
Intramuskuläre Koordination: Fähigkeit, mit der vorhandenen Muskelmasse ein optimales Mass an Kraft zu erzeugen.
Während des intensiven Wachstums im Kindes- und Jugendalter weist der passive Bewegungsapparat an den Epiphysenfugen Schwachstellen auf, die nicht überbeansprucht werden dürfen. Wer aus diesem Grunde versucht, das Bewegungssystem generell zu schonen, macht aber einen groben Fehler.
Mythos Nr. 5:
Einmal ist keinmal, wer nicht mehrmals pro Woche trainiert, kann es genauso gut bleiben lassen.
Ideal sind zwei Kraft-
Trainingseinheiten pro Woche. Wer als
Gesundheitssportler bereits über gut entwickelte Kraftfähigkeiten verfügt, kann sein Niveau durch eine Trainingseinheit pro Woche einigermassen erhalten.
Wer mehr als zweimal pro Woche oder sogar täglich trainiert, sollte die Methoden variieren und splitten, das heisst zum Beispiel: am Montag und Donnerstag die Bein- und Hüftmuskeln sowie die vorderen Rumpfmuskeln und am Dienstag und Freitag die Muskeln des Schultergürtels und der Arme sowie die Rückenmuskeln trainieren.
Beispiele für ein gesplittetes Krafttraining im Bodybuilding: 4 Trainingseinheiten (TE) pro Woche: 1 TE: Rücken und Bizeps; 2 TE: Schultern und
Nacken; 3. TE: Oberschenkel und Waden; 4. TE: Brust, Trizeps und Bauch.
7 TE pro Woche: 1 TE: Brust 100% / Trizeps 30%; 2. TE: Beine 100% / Schultern 30%;
3. TE: Rücken 100% / Bizeps 30%; 4. TE: Trizeps 100%; 5. TE: Schultern 100% / Brust
30%; 6. TE: Bizeps 100% / Bücken 30%; 7. TE: Ausdauer- und Stabilisationstraining.
Mythos Nr. 6:
Anfänger sollten nur unter Anleitung trainieren.
Einfache Übungen wie zum Beispiel solche mit dem Teraband oder mit kleinen Handgeräten können ohne spezielle Anleitung gemacht werden.
Für koordinativ komplexe Übungen und für Übungen an Maschinen braucht es eine Anleitung und eine professionelle Begleitung, bis die
Trainierenden selbständig trainieren können.
Wer ohne Kontrolle durch eine Fachperson trainiert, sollte seine Körperhaltung und die
Ausführung der Kraftübungen mit einem Spiegel kontrollieren.
Quelle:Jost Hegner
Fachleiter Sportbiologie / Bewegungs- und Trainingslehre
Institut für Sportwissenschaft, Universität Bern
Bremgartenstrasse 145, 3012 Bern
Autor des Buches: "Training - fundiert erklärt" erschienen im "Ingold Verlag"