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Expertenforum Ernährung

Frage: Kann man aus TCM-Sicht eine Fruktose-Unverträglichkeit bessern?

Liebe Fr. Mag. Kraus,

mein 6-jähriger Sohn hat seit frühester Kindheit eine Fructose-Malabsorption. Das äußert sich bei ihm in sehr starken Durchfällen nach dem Genuss von Obst oder sorbithältigen Lebensmitteln. Bauchschmerzen hat er sehr selten und sonstige Beschwerden zum Glück gar nicht. Seit wir wissen, was er verträgt und was nicht, versuchen wir diese Dinge so gut wie möglich zu vermeiden und kommen damit gut zurecht.

Allerdings verweigert mein Sohn jegliches Gemüse, auch grüne, fruktosefreie Gemüse, die er ja vertragen müsste.

Laut Schulmedizin gibt es weder eine Behandlung noch die Aussicht darauf, dass sich sein Zustand jemals verbessert. Allerdings sagt die Schulmedizin auch, dass diese Durchfälle harmlos sind, und Fruktosegenuss keine weiteren schädlichen Auswirkungen hat.

Meine Frage: wie stehen Sie als TCM-Ernährungsexpertin dazu?
Gibt es irgendeine Aussicht auf Besserung für meinen Sohn?
Kann ich meinem Sohn Gemüse irgendwie schmackhaft machen, bzw. soll oder muss ich das überhaupt?

Vielen Dank für Ihre Antwort!

Liebe Grüße,

Anja H. aus Wr. Neustadt


Antwort: Kann man aus TCM-Sicht eine Fruktose-Unverträglichkeit bessern?

Sehr geehrte Frau H.!

Rohes Obst und Gemüse werden in den Ernährungsempfehlungen aus westlich-wissenschaftlicher Sicht aufgrund des Vitamin- und Mineralstoffgehaltes sowie Ballaststoffanteils generell für jeden und in nahezu unbegrenzten Mengen empfohlen.

Die reichlich vorhandenen Vitalstoffe können aber oft vom Organismus nicht richtig aufgenommen werden, da die Aufspaltung des Zellstoffgerüsts der Pflanze für den Körper sehr aufwendig ist. Vitamine aus gekochtem Gemüse und Obst werden - wenngleich weniger vorhanden als im Rohzustand - im Verhältnis besser absorbiert. Selbst wissenschaftlich ist inzwischen bestätigt, dass beispielsweise die Auswertung von Betacarotin aus der Karottensuppe im Vergleich zur rohen Karotte größer ist.

Wenn die Verdauungskraft nicht stark genug ist, wird nicht nur wenig an nützlichen Pflanzeninhaltstoffen aufgenommen, bei übermäßigem Rohkostverzehr sammelt sich auch Unverdauliches als Ballast an und schwächt somit weiters die Verdauungskraft!

In der Ernährung nach TCM nimmt die Rohkost einen verhältnismäßig kleinen Teil ein. Der Bedarf an Rohkost wird gemäß der chinesischen Medizin immer an die Konstitution und die äußeren Umständen (z.B. Klima) angepasst.

Für mich ist fraglich, ob Aktionen wie "5 a day" (5 x Obst und Gemüse täglich) der Gesundheit tatsächlich dienlich sind. Oft genug habe ich während meiner Beratungstätigkeit erlebt, dass sich Personen "um ihrer Gesundheit willen" zum Verzehr von rohem Obst oder Gemüse zwingen, obwohl sie es instinktiv ablehnen oder massive Beschwerden nach dem Verzehr verspüren.

Mein Rat wäre:
  • Aufbau der Verdauungsaktivität und der Darmschleimhaut mit einer allgemeinen Anpassung bzw. Erweiterung des alltäglichen Speiseplans aus der Sicht der TCM - mehr gegarte, aromatische Speisen
  • warmes, gekochtes Frühstück einbauen, Suppen zum Abendessen,...
  • mit viel frischen Kräutern kochen/garnieren - auch die haben eine hohen Mineralstoff- und Vitaminanteil!
  • Substitution mit Omega 3 Fettsäurekapseln, um eine antientzündliche Situation zu unterstützen
  • gegartes Gemüse in Form von pürierten Suppen oder als "versteckte" Beigaben zu Faschierten, Nudelsaucen, Hühnerwok mit Pilzen, bunte Spießchen.. z.B. wäre ein erster Schritt Gemüse einzubauen - nicht nur Gemüse als Beilage.
  • keinen rohen Salat - eher gegarte Varianten probieren z.B. Scharzwurzelsalat
  • Meine Frage ist natürlich auch: wie sieht der tägliches Speiseplan sonst bei Ihnen aus, das ist in ihrer Situation schon besonders wichtig zu wissen, um etwaigen Unausgewogenheiten entgegen zu wirken. Wie sieht die Schuljause aus?
  • im dringlichen Fall Substitution mit natürlichen Vitamin-Mineralstoffpräparaten - diese sollte aber vorab mit einer Vollblutmineralanalyse abgeklärt werden
Ich kann mir gut vorstellen, dass mit den Ernährungsempfehlungen aus der Sicht der TCM, durchaus eine Besserung des Beschwerdebildes stattfindet, aber es bedarf sicherlich einer geraumen Anpassungs- und Erweiterungsphase des Speisplans.

Ihr Sohn befindet sich jetzt auch in einer sehr sensiblen Altersphase. Es ist sehr wichtig, ihn zu nichts drängen und als Vorbild zu dienen - d.h. die ganze Familie sollte diese Speiseplanerweiterung vornehmen!

Ich wünsche Ihnen alles Gute und ich stehe Ihnen jederzeit zu Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Mag. Judith Kraus

www.tcm-zentrum-wien.at


Anbei noch eine Auflistung der wichtigsten Gemüse- und Obstsorten und deren Fructosegehalt

Die Lebensmittel in den Gruppen < 1g Fruktose / 100g bzw. Portion (praktisch fruktosefrei)
und 1-5g Fruktose / 100g bzw. Portion werden in der Regel auch bei diagnostizierter Fruktosemalabsorption gut vertragen.

Fruktosegehalt < 1g / 100g bzw. Portion:
. Milch und Milchprodukte ohne Frucht- und Zuckerzusätze
. Alle Sorten Fleisch, Fisch, Geflügel, Wild und Fisch
. Fleisch- und Wurstprodukte sowie Fischerzeugnisse ohne Zuckerzusätze
. Eier
. Öle, Butter, Margarine
. Getreideprodukte: Reis, Teigwaren, Hirse, Grünkern, Gerste, Hafer, Buchweizen, Weizen, Roggen, Mehle, Brot, Brötchen, Haferflocken, Grieß etc.
. Kartoffeln und Kartoffelprodukte
. Gemüse (Port. 150g): Radieschen, Rettich, Rote Bete, Schwarzwurzeln, Mais, grüne Erbsen, Bleichsellerie, Mangold, Sauerkraut, Spinat, Weißkohl, Chicoreé, Chinakohl, Endivie, Feldsalat, Kresse, Kopfsalat, Bambussprossen, Champignons, Pfifferlinge, Steinpilze
. Hülsenfrüchte (Port. 50g): weiße Bohnen, Kichererbsen, getr. Erbsen, Linsen
. Gewürze und Kräuter: alle Kräuter und Gewürze und Gewürzmischungen o. Zucker
. Nüsse und Samen: alle Sorten
. Getränke: Wasser, Tee und Kaffee ohne Zucker, Diät- Limonaden- und Colagetränke ohne Zucker und ohne Zuckeraustauschstoffe, Malzbier, Bier, Wein
. Süßungsmittel/Süßigkeiten: Traubenzucker, Maltodextrine, Saccharin, Cyclamat, Aspartame, Traubenzuckerbonbons, Dextro Energeen, Kaugummi ohne Zucker und ohne Zuckeraustauschstoffe

Fruktosegehalt 1-5g / 100g bzw. Portion:
. Gemüse (Port. 150g): Kohlrabi, Karotten, Sellerie, Artischocken, Blumenkohl, Broccoli, Fenchel, Grünkohl, Lauch, Rosenkohl, Rotkraut, Spargel, Wirsing, Zwiebel, Aubergine, grüne Bohnen, Gurke, Kürbis, Paprika, Tomate, Topinambur, Zucchini
. Obst (Port. 150g): Sanddorn, Brombeeren, Erdbeeren, Himbeeren, rote Johannisbeeren, Preiselbeeren, Ananas, Orange, Grapefruit, Mandarinen, Mango, Zitrone, Honigmelone
. Tomatensaft



 
 

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