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Expertenforum "Seele & Psyche"

Frage: Wie schütze ich mich vor Mobbing im Job?


Liebe Claudia Leitner!

Hab euer Forum entdeckt und möchte Ihnen einiges erzählen. Im Frühling 2011 hatte ich einige schlimme Erlebnisse mit Menschen in meiner Umgebung, wo ich Kränkungen ausgesetzt war, die ich nie glaubte erleben zu müssen. Außerdem hatte ich ein wahnsinnig stressiges Schuljahr. Es ist mir bewusst, dass ich mir viel zu viel aufhalse und habe auch schon einiges abgestellt und verändert.

Bin 44 Jahre, Mutter von 3 Kindern, habe einen wunderbaren Mann und ein Haus mitten in den Weingärten der Wachau. Bin Sonderschullehrerin und liebe meinen Beruf. Außerdem bin ich nebenbei Ministrantenleiterin und schreibe in der Pfarre das Pfarrblatt – hierbei bin ich nicht allein, sondern erledige diese Arbeiten mit einer zweiten Frau aus dem Ort, mit der ich mich sehr gut verstehe. Mache die Öffentlichkeitsarbeit bei der Feuerwehr. Habe vor zwei Jahren ein Studium zum Unterrichten für Schwerstbehindertekinder bekommen, dieses Studium schließe ich im kommenden Schuljahr ab.

Seite Mitte Juni 2011 konnte ich dann nicht mehr klar denken, musste immer weinen, wusste nicht mehr was Richtig und Falsch ist und sogar die ganz normale Hausarbeit war mir schon zu viel. Mit den Ferien habe ich begonnen mein Problem anzupacken und bin zum Arzt der mir einen Streifschuss von Burnout bestätigte. Anschließend begann ich eine Gesprächstherapie und gehe zur Hypnose – wo natürlich nicht nur das letzte halbe Jahr herauskommt. Auch die nicht verarbeiteten Erlebnisse sind sehr stark da. Mache eine Entschlackungskur und baue meinen Körper mit Vitaminen, die mir der Stress genommen hat, auf.

Nun fühle ich mich erholter und auch wieder kräftiger, habe jedoch Angst diese Energie sofort zu verlieren, wenn ich am Schulanfang mit den Menschen konfrontiert werde, die Mobbing höchster Stufe betrieben haben. Meine Frage wäre jetzt – wie kann ich mich noch zusätzlich vor diesen Menschen schützen und vor allem welche Methode kann ich anwenden, damit ich nicht sofort wieder zu weinen beginne. Das was wirklich vom Juni übrig geblieben ist, dass ich in bestimmten Situationen sofort in Tränen ausbreche.

DANKE und liebe Grüße
Karin

Antwort: Wie schütze ich mich vor Mobbing im Job?


Liebe Karin !
Lieben Dank für ihr Vertrauen. Ich gebe ihnen hier gerne ein paar Impulse, wie sie mit dem Thema Mobbing am Arbeitsplatz in Zukunft umgehen könnten.
Zunächst einmal möchte ich auf den „Schutz“ zu sprechen kommen. Schutz ist immer die Variante, die wir meinen zu brauchen, wenn etwas auf uns zukommt, dass uns unangenehm ist. Alle versuchen sich irgendwie vor dem was nun einmal da ist zu schützen – aber der Erfolg damit ist meiner Erfahrung nach meisten sehr bescheiden. Der Energieaufwand einen Schutz aufzubauen, ist meistens das was die, wie sie schreiben frisch gewonnene Energie nach den Ferien, rasch wieder zum schwinden bringt.
Also, warum versuchen sie nicht einmal etwas Neues, etwas Innovatives, das nicht jeder macht. Sie sind ja schließlich auch nicht jeder.

Anstatt sich vor dem was nun einmal da ist zu schützen, beginnen sie damit zu arbeiten. Dafür braucht es natürlich eine Basis, damit wir nicht gleich umgehauen werden. Dafür möchte ich Ihnen gerne einige Anregungen mitgeben, die sie dann auch in ihren Therapien noch weiter verfolgen und vertiefen können.
Zunächst einmal als sozusagen „Erste Hilfe Maßnahme“. Verändern sie ihre Einstellung zu dem was sie erleben. Ich weiß, das klingt leichter als es auf den ersten Moment machbar erscheint aber keine Angst es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, die sie dabei unterstützen.
Als Basiseinstellung empfehle ich meinen Klienten immer folgenden Leitsatz zu integrieren:
„Alles was mir begegnet dient dazu mich zu fördern und zu entwickeln und mir den Weg in ein glückliches Leben zu weisen“ 

Auch wenn sich die Förder- und Entwicklungsmöglichkeiten des Mobbings für sie natürlich nicht gleich offenbaren, so ist es mit dieser Grundeinstellung zunächst einmal möglich aus der Spirale  von Angst und Wut auszusteigen und die Sache mit ein bisschen mehr Distanz zu betrachten. Oft entdecken wir dann schon erste Dinge, die uns mehr Klarheit bringen, wo Förderung und Entwicklung in der Situation zu finden ist.  Je öfter sie mit dieser Einstellung an die Sache herangehen, umso deutlicher werden sie bald merken, dass die Sache anfängt sie sogar zu interessieren (so unglaublich das jetzt auch für sie klingen mag), weil sie darin viel über sich selbst und ihr „Strickmuster“ erfahren können. Aber dazu später mehr.

Damit diese Einstellung sozusagen zum Lebensmotto wird, gibt es verschiedene Techniken mit denen diese „geankert“ werden kann. Dies würde hier jetzt den Rahmen sprengen, aber ich bin sicher, ihr Therapeut wird sie dahingehend gut beraten und mit Ihnen ein für sie passendes „Ritual“ erarbeiten können. Fragen sie ihn einfach danach – vielleicht unter dem Stichwort „Ankertechnik“. Als Pädagogin kennen sie ja vielleicht auch selbst solche Methoden.
Nun noch ein paar Impulse dazu, was sie jetzt schon an Erfahrungen aus der Situation für sie herausholen können:

1.)    Den Konflikt im Außen als Spiegelbild eines Konfliktes in ihrem inneren erkennen und Lösungen finden
Sie scheinen mir nachdem wie sie mir ihr Leben kurz geschildert haben, ein sehr umtriebiger Geist zu sein. Mutter, Ehefrau und Hausfrau – Lehrerin, Studentin und dann auch noch die Rollen die sie in der Pfarre und der freiwilligen Feuerwehr einnehmen. Und ob sie es glauben oder nicht, das sind bei weitem noch nicht alle Rollen die sie in ihrem Leben versuchen unter einen Hut zu bringen. Schauen sie doch einmal genauer hin – allein hier finden sie schon 7 sehr anspruchsvolle Rollen die sie bekleiden.
Könnte es sein, dass es da einen Anteil in ihnen gibt, der sich da „ein wenig gemobbt“ und ausgeschlossen fühlt, weil er zu wenig Beachtung von Ihnen bekommt. Könnte es sein, dass es einen Teil in ihnen gibt, der sich ein wenig nach Ruhe sehnt, genau so wie sie Ruhe haben möchten von den Kollegen, die sie mobben.

Ein bisschen haben sie ja schon zurückgesteckt, aber ist das genug ? Vielleicht braucht jener Teil in ihnen, der sie gerne mit mehr Ruhe versorgen möchte, damit sie ganz einfach einmal nur mit der Seele baumelnd, ihren Ideen für eine glänzende Zukunft nachhängen können, ein bisschen mehr Raum.
Das was wir um Außen erleben spiegelt immer einen Konflikt wieder, der sich in unserem inneren abspielt.

Vielleicht klingt das für sie jetzt ein bisschen „verdreht“ – aber auf unbewusster Ebene versuchen jene Menschen die ihnen das Leben schwer machen, es ihnen leichter zu machen sich zu erlauben,  sich  eine Auszeit zu nehmen. Auch wenn es nicht gerade eine elegante Variante ist, wie sie ihnen „Gutes“ tun möchten, so ist ihr  Ziel im Grunde genommen eines, das sie fördern und entwickeln soll. weil sie die Zeit nutzen könnten, ihren Ruheanteil arbeiten zu lassen und sie sich ihren Träumen einer glänzenden Zukunft ohne Zeitdruck hingeben könnten.

Natürlich wäre es noch zielführender, wenn auch diese Menschen sich bewusster mit sich selbst und ihren Handlungen auseinandersetzen würden um sich über die Ziele, die sie verfolgen klar zu werden. Aber wie wir ja wissen, die anderen können wir nur schwer ändern – also reicht es zunächst einmal, wenn sie wissen, was „Gutes“ in der Situation steckt.

Ich kann mir gut vorstellen, dass sie jetzt fast ein bisserl schmunzeln müssen über diese Denkweise – aber ich kann ihnen sagen, es hilft und oft lässt das Bemühen der anderen uns „Gutes“ in dieser versteckten Form zu tun rasch nach, wenn sie, auch das allerdings wiederum unbewusst erkennen, dass   ihr Tun von Erfolg gekrönt ist.

Lachen oder schmunzeln ist die beste Medizin. Also geben sie einer eventuellen leisen Skepsis, die sie beim Lesen der obigen Zeilen empfinden, mit einem Lächeln, Schmunzeln oder gar lautem Lachen ruhig Raum.
   
Hier nun mein „ernstgemeinter“ Tipp:  Besprechen sie auch das mit ihrem Therapeuten, wie sie ihrem Anteil, der ihnen ein bisschen mehr Zeit für sich selbst verschaffen möchte, mehr Raum geben können.
 
2.)    Die Phänomene der Systeme – oder wagen sie einen Blick hinter die Kulissen ihres Urspungsfamiliensystems

Was mir noch sinnvoll erscheint, wenn sie sich gemeinsam mit ihrem Therapeuten daran wagen einen Blick auf ihre Ursprungsfamilie zu richten. (Ursprungsfamilie ist die Familie, in die sie hineingeboren wurden). Mobbing gibt oft den Hinweis darauf,  dass sich jemand aus dem System ausgeschlossen fühlt. Das muss sich nicht zwangsläufig im Erscheinungsbild der realen Familiensituation zeigen. Auch hier spielen unbewusste Dynamiken eine wesentliche Rolle, die mit einer Aufstellung z.B. mit Symbolen auf dem Familienbrett sichtbar gemacht, verstanden und liebevoll gelöst werden können.

Soweit ich das anhand ihrer Schilderungen und auf die Distanz beurteilen kann, scheint es in ihrem Ursprungssystem jemanden zu geben, der fehlt und sie versuchen so gut wie möglich diese Position auszufüllen. Das führt dazu, dass sie sich an ihrem „angestammten“ Platz nicht verwurzeln können.
Ähnlich wie bei einem Baum, der immer wieder ausgerissen und an anderer Stelle eingepflanzt wird fehlt  Ihnen die feste Verwurzelung, die für ein gesundes Wachstum und dem Tragen vieler süsser Früchte so wichtig ist.  

Gerade diese Verwurzelung an unserem „angestammten“ Platz im Stammbaum der Ursprungsfamilie ist entscheidend dafür, ob unser Leben erfolgreich, glücklich und gesund oder andersherum verläuft.
Natürlich haben sie auch die Möglichkeit, eine Familienaufstellung nicht nur auf dem Brett sondern mit realen Menschen als Stellvertreter für ihr System zu machen.

Fragen sie bitte auch hier ihren Therapeuten ob er ihnen jemanden empfehlen kann, der auf diesem Gebiet wirklich ein Profi ist. Es wird sehr viel angeboten am Markt und oft weiß man dann nicht, an wen man kommt – gerade, wenn es um eine Arbeit geht, die sich auf nicht „greifbaren“ Ebenen abspielt.

Ich kann ihnen in ihrem Einzugsgebiet leider niemanden empfehlen. Sollten Kontaktadressen im Raum Wien für sie Interessant sein, so dürfen sie sich gerne noch einmal mit mir in Verbindung setzen.

Für den Moment wünsche ich Ihnen alles Liebe. Sie haben es bereits geschafft, ihrem Leben neuen Schwung zu geben. Sie werden sehen, je mehr Raum sie der  Philosophie „Alles was mir begegnet, dient  dazu  mich zu fördern und zu entwickeln“ in ihrem Leben zugestehen, umso rascher werden sich Veränderungen zum Guten einstellen.

Liebe Grüße und viel Erfolg wünscht Ihnen
Claudia Leitner

31.08.2011





 
 

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