Expertenforum "Seele & Psyche"
Frage: Trotzalter oder Reaktion auf Wiedereinstieg?
Sehr geehrte Frau
Mag. Macke,
ich bin Mutter eines
dreijährigen Sohnes und bin Anfang dieses Jahres wieder in meinen Job
eingestiegen. Seit einigen Wochen rebelliert nun mein Sohn, er hört überhaupt
gar nicht mehr auf mich, ist schlimm im Kindergarten, will oft morgens gar nicht
in den Kindergarten gehen. Ich weiß mir gar nicht mehr zu helfen. Ist das das
normale Trotzalter oder zeigt er damit, dass er sihch durch meinen Wiedereinstieg
"verlassen" fühlt?
Liebe
Grüße
J.M.
Antwort: Trotzalter oder Reaktion auf Wiedereinstieg?
Liebe Frau J.M.,
die Trotzphase ist für Eltern eine der schwierigsten in der Entwicklung ihrer Kinder, denn plötzlich begehren auch vorher angepasste und "pflegeleichte" Sprösslinge auf.
Ihr verändertes Verhalten hat damit zu tun, dass sie in diesem Alter einen großen Schritt in Richtung Ich-Werdung machen, die Kinder entdecken, dass sie ein Ich und damit einen eigenen Willen besitzen und wie toll es ist, wenn sie etwas bewirken können (z.B. ich kann bewirken, dass Mama nervös wird oder schreit oder sich nicht mehr zu helfen weiß, wenn ich sage, dass ich nicht in den Kindergarten gehen will.)
Über die Trotzphase und günstiges Elternverhalten in dieser Zeit gibt es viel zu sagen, das Wichtigste in Kürze:
- Wichtig sind Rituale und Regeln, an die Sie sich halten, das gibt Ihrem Kind Sicherheit (das schließt auch pünktliches Schlafengehen ein - Trotzanfälle können zB auch durch Müdigkeit und Sinnesüberreizung ausgelöst werden)
-Sehen Sie Ihrem Sohn immer direkt in die Augen, wenn Sie möchten, dass er Ihnen zuhört, d.h Sie bücken sich, um sich auf seine Augenhöhe zu begeben, nehmen Blickkontakt mit ihm auf, halten ihn dabei vielleicht auch an den Händen oder an den Schultern und sprechen mit ruhiger, aber fester Stimme zu ihm, z.B.: "Ich möchte, dass du dir jetzt die Schuhe anziehst und mit mir in den Kindergarten gehst!"
- Vielleicht müssen Sie dabei die "Technik der kaputten Schallplatte" anwenden, d.h. Sie müssen denselben Satz vielleicht öfter hintereinander sprechen bis Ihr Sohn Ihrer Forderung nachkommt - wiederholen Sie in diesen Fällen immer nur diesen einen Satz - lassen Sie sich auf keine Diskussionen oder Erklärungen ein (weil sie nichts bringen!)
Manchmal ist es ein Trost, daran zu denken, dass diese Phase vorübergeht - ich weiß aber aus eigener Erfahrung, wie anstrengend die Trotzphase ist.
Was sagen denn die Kindergartenpädagoginnen? Eine gute Kooperation ist in diesem Fall sicher entlastend.
Ich hoffe, Ihnen weiter geholfen zu haben und stehe Ihnen weiterhin gern zur Verfügung!
Mit freundlichen Grüßen
Karin Macke