Werbung
Werbung
Suche
Login
Nicht registriert?

women30plus Talk

12.3.2009 im Lena & Laurenz

„Warum verdienen Frauen weniger als Männer?"

Am 12. März 2009 lud women30plus gemeinsam mit Personal Consulting zu einer Diskussion über die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen. Wir diskutierten mit:


Mag. (FH) Gerda Brandt, Geschäftsführerin Personal Consulting


Michaela Muschitz, Coach und Organisationsberaterin, Vizepräsidentin "Business and Professional Women Austria"


MMag. Birgit Slotta-Bachmayr: Bereichsleiterin Tageszentren, Kindergärten & Horte, Wohngemeinschaften bei der Caritas Socialis, freiberuflicher Coach


Mag. Ines Stilling, Kabinettsmitarbeiterin bei Frauenministerin Heinisch-Hosek


Lesen Sie hier die Zusammenfassung des Gesprächs:

Das Thema des heutigen women30plus Talk lautet „Warum verdienen Frauen weniger als Männer?“. Eine aktuelle EU-Studie belegt, dass Frauen bezogen auf den Stundenlohn 25,5 Prozent weniger verdienen als Männer. Österreich gehört damit zu den Schlusslichtern innerhalb der EU, nur Estland mit über 30% Einkommensschere steht noch schlechter da. Auf der anderen Seite existieren Länder wie Malta oder Italien mit 4% bzw. 5% Einkommensunterschied?

women30plus: Frau Stilling, was unterscheidet Österreich von Malta oder Italien?

Stilling: der größte Unterschied ist der, dass Malta eine sehr geringe Frauenarbeitsquote hat, d.h. dort wo Frauen nicht arbeiten, kann es natürlich auch keine Einkommensschere geben. Das bedeutet aber trotzdem, dass die Einkommensunterschiede in Österreich sehr groß sind. Das hat mehrere Faktoren: Frauen werden zum einen schlechter bezahlt, aus dem Grund, dass sie Kinder gebären können, unabhängig davon, ob sie das tun oder nicht, nur die Tatsache, dass sie können, wird beim Gehalt berücksichtigt. Auch wählen Frauen meist Berufe, die schlecht bezahlt sind. Dann ist die (Un-)Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Grund, denn dadurch werden viele Frauen in die schlechter bezahlte Teilzeit gedrängt. Aber 15% der Gehaltsunterschiede zwischen Männer und Frauen erklären sich einfach aus dem Umstand des Geschlechts. Nur weil eine Frau eine Frau ist, bekommt sie um 15% weniger Gehalt.

women30plus: Was sind die Pläne seitens der Regierung, um das zu ändern?

Stilling: Unsere geplanten Maßnahmen sollen an verschiedenen Stellen greifen. So machen wir Aufklärungsarbeit bei jungen Mädchen, z.B. den Girl`s Day, um bereits bei der Berufswahl zu unterstützen und Möglichkeiten für neue Ausbildungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Dann soll das einkommensabhängige Kindergeld mehr Männern die Perspektive in Karenz zu gehen ermöglichen und Frauen so schneller wieder in den Beruf zurückkehren können. Ein weiteres Stichwort ist die Quotenregelung, um mehr Frauen in Führungspositionen zu verankern. Und last but not least wollen wir für mehr Transparenz bei den Gehältern sorgen. So könnten in einem ersten Schritt die Einstiegsgehälter offengelegt werden.

women30plus: Sollen die Gehälter nach dem Vorbild Schwedens offengelegt werden mit Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten?

Stilling: Das soll mittelfristig so umgesetzt werden.

women30plus: Frau Muschitz, vielleicht können Sie hier gleich einhaken und Ihre Initiative „Rote Tasche“ vorstellen?

Muschitz: Ja, der Verband „Business and Professional Women“ hat bereits bei der Gründung im Jahr 1930 zwei vorrangige Ziele formuliert: 1. Frauen ins Richteramt - dieses Ziel haben wir erreicht und 2. gleicher Lohn für gleiche Arbeit – jetzt ist das Jahr 2009 und wir arbeiten noch immer am zweiten Punkt. Daher unsere Aktion „Rote Tasche“, mit der wir Frauen dazu aufrufen möchten, sich mit ihrem Gehalt auseinander zu setzen Viele Frauen glauben, sie verdienen ja eh so viel und merken erst, wie weit sie hinterherhinken, wenn sie erfahren, wie viel der männliche Kollege für die gleiche Arbeit bekommt. Die Aktion „Rote Tasche“ sagt daher: Liebe Frauen, verlangt mehr!

women30plus: Frau Brandt, verkaufen sich Frauen in Einstellungsgesprächen wirklich schlechter als Männer?

Brandt: ja, auf alle Fälle. Frauen geben sich einfach bescheidener und verlangen ganz definitiv ein niedrigeres Gehalt. Auch wenn ich für ein und dieselbe Stelle ein Gespräch mit einem Mann und einer Frau führe und beide die gleiche Ausbildung in der gleichen Zeit absolviert haben und die gleiche Berufspraxis haben, verlangt die Frau um ein Eck weniger Gehalt. Daher mein Tipp für alle Frauen: man sollte sich vor einem Vorstellungsgespräch unbedingt schlau machen, was man selber wert ist, was für ein Gehalt branchenüblich ist. Schauen Sie sich auch den jeweiligen Kollektivvertrag an. Es kommt immer wieder vor, dass Frauen ein Gehalt verlangen, dass unter dem Kollektivvertrag liegt.

women30plus: Frau Muschitz, haben Sie auch bereits praktische Erfahrungen mit der Einkommensschere gemacht?

Muschitz: ja, eine Bekannte von mir ist erfolgreiche Key Account Managerin und mit ihrem Gehalt sehr zufrieden. Durch unsere Aktion hat sie sich in ihrem Unternehmen schlau gemacht und herausgefunden, dass ihr männlicher Kollege, der dem Unternehmen weniger Umsatz bringt, mehr verdient als sie. Daraufhin hat sie ihr Gehalt nachverhandelt und bekommt nun mehr bezahlt.

women30plus: Frau Slotta-Bachmayr, warum zahlen Unternehmen Frauen weniger Gehalt?

Slotta-Bachmayr: Viele Frauen arbeiten in ausbildenden oder pflegenden Berufen und dafür wird einfach weniger bezahlt. So sind Kindergärtnerinnen in der Regel Frauen. Trotz Maturaabschluss verdienen sie lediglich EUR 1.100 pro Monat. In Tageszentren für alte Menschen arbeiten 80 bis 90 Prozent Frauen und verdienen EUR 1.400 pro Monat. An den Stellen, die die Gehälter im öffentlichen Bereich festlegen, sitzen wiederum fast ausschließlich Männer.

Muschitz: Das liegt auch hauptsächlich an der „veralteten“ Bewertung von Arbeit. Körperliche Arbeit (Maschinenbau, Handwerk) wird immer noch höher bewertet wie Arbeit mit Menschen (Pflegeberufe). Ein interessantes Buch zu diesem Thema ist „Weißbuch Frauen, Schwarzbuch Männer“ von Sybille Hamann.

Stilling: Hinzu kommt noch, dass Frauen auch ohne Kinder nach ca. fünf Jahren im Beruf gehaltsmäßig stecken bleiben. Das ergab eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien. Hier wurden weibliche und männliche „Zwillinge“ gebildet (selbe Studienrichtung, Studienzeit, Praktika, familiärer Hintergrund usw.) und nach Studienabschluss in ihrem beruflichen Fortkommen beobachtet. Das Einstiegsgehalt war noch ungefähr gleich, aber nach zehn Jahren hat der Mann bereits 60.000 Euro mehr verdient. Wenn die Frau in dieser Zeit ein Kind bekommen hat, erhöht sich die Differenz auf 70.000 Euro.

women30plus: Warum steigen Frauen gehaltsmäßig langsamer auf?

Muschitz: Viele Frauen kennen den Spruch „Bescheidenheit ist eine Zier“, wissen aber nicht, dass er noch weitergeht….“doch besser lebt es sich ohne ihr“. So kehren viele Frauen ihre Qualifikationen unter den Teppich und fordern nicht mehr Gehalt. Ich habe letztens eine Frau gecoacht, die hat mich gefragt, ob sie jetzt nach einem erfolgreichen Jahr im Job ihr Gehalt neu verhandeln soll. Ihr Kollege hat dies bereits nach einem halben Jahr gemacht. Damit war die Frage eigentlich schon beantwortet!

women30plus: Frau Brandt, wenn ich erfahre, dass mein Kollege mehr verdient, wie soll ich dann die Verhandlungen mit meinem Chef angehen?

Brandt: hier kann ich keine Pauschalantwort geben, denn es kommt sehr stark auf das Verhältnis zum Chef an. In der Regel sollte es ja jährlich ein Mitarbeitergespräch geben, hier kann man das Thema proaktiv angehen. Allerdings sollte man auf alle Fälle mit der eigenen Qualifikation und nicht mit den Gehältern anderer argumentieren.

Slotta-Bachmayr: Ja, das würde ich auf alle Fälle auch empfehlen, denn der Gehaltsvergleich kann auch nach hinten losgehen. Man sollte immer auch etwas anbieten. Wenn der Chef z.B. nicht sofort auf ein höheres Gehalt einsteigt, kann man ihm anbieten, dass man die Erhöhung dann erhält, wenn man ein bestimmtes Ziel erreicht. Auf alle Fälle dran bleiben und das Thema immer wieder ansprechen.




 
 

Club women30plus
Mitglied werden im exklusiven club women30plus. Einfach, gratis und mit vielen Vorteilen!
NEU REGISTRIEREN INFO

Link-Tipp

Brutto-Netto-Rechner


Berechnen Sie Ihr Nettogehalt
mit dem Brutto-Netto-Rechner der Arbeiterkammern Österreichs

» weiter
 

Themen Work

 

Themen Life

 

Themen Balance

 

Community

© 2012  women30plus  - All Rights reserved | Kontakt | Impressum | Über uns | Nutzungsbedingungen | AGB | Presse | Hier werben | Sitemap