Mark Zuckerberg erregte vor kurzem die Gemüter mit seiner Aussage, dass er Facebook auch für Kinder unter 13 Jahren öffnen möchte. Derzeit ist laut den Nutzungsbedingungen das Verwenden von Facebook erst ab 13 Jahren erlaubt.
women30plus hat zu diesem Thema drei Experten befragt. Der einstimmige Tenor ist, dass ein generelles Verbot nichts bringt und die Sache nur noch interessanter macht. Allerdings weist Kati Struckmeyer vom Institut für Medienpädagogik darauf hin, dass ein Facebook-Account für Kinder unter 13 derzeit noch illegal ist. Wir raten Eltern, Kindern im Volksschulalter alternative Netzwerke zu Facebook aufzuzeigen, die kindgerecht sind, z.B. Communities, denen nur Kinder beitreten können, die von außen nicht einsehbar sind und die pädagogisch betreut werden. Wir haben zu diesem Zweck vor kurzem den Knipsclub gelauncht eine Fotocommunity für Kinder.
Eine weitere derartige Community für Kinder betreibt Thomas Dorn mit der Plattform 321goo.at, der Kinder ab 6 Jahren nur auf Einladung beitreten können. Hier können die Kids selbst ihren Stundenplan erstellen, sie verwalten ihre Termine im Kalender und sie können ihre Freunde sammeln und ihnen Nachrichten schreiben ein Facebook im geschützten Rahmen sozusagen.
Thomas Dorn sieht ein großes Problem darin, dass sich Eltern mit Facebook und Co. zu wenig auseinander setzen: Die Eltern wollen oft mit dem "neumodischen Zeugs" nichts zu tun haben, und kennen sich mit der Materie oft viel zu wenig aus. Kinder gehen an die Sache vollkommen befreit ans Werk, ohne jedoch die zahlreichen Gefahren zu kennen. Woher soll das Kind wissen, dass die Freundschafts-Einladung nicht von einem Stalker oder gar Kinderpornograph erfolgt ist? Auch wird oft animiert, dass Jugendliche zu Veranstaltungen kommen, wo diese vielleicht niemanden kennen. Das Kind glaubt jedoch, dass die Kontakte "echte" Freunde sind! Und meint sich wohlbehalten! Es erfolgt eine Verschiebung des Wahrnehmungs-Horizonts.
Hier ist aktive Aufklärungsarbeit durch die Eltern gefragt. Ein Zugang zu Facebook, ungeachtet des Alters, ist eine eindeutige Gefährdung für die jungen Nutzer, da die Aufsicht bzw. die orientierende Mitwirkung der Eltern sehr leicht übergangen werden kann. Die beste Art und Weise Kindern Medienkompetenz beizubringen, ist sich selber damit auseinanderzusetzen, weiß auch Sandra Velasquez, klinische und Gesundheitspsychologin der Praxis Safe Place. Sandra Velasquez weiter: Die sozialen Netzwerke im Internet sind ein Terrain, wo sich Kinder und Jugendliche mit ihren Freunde austauschen sowie Freundschaften schließen können, aber wo sie auch genauso gefährliche Begegnungen haben können. Im Internet kann sich jeder eine Identität basteln, die im schlimmsten Fall für ungesunde Absichten missbraucht werden kann. Da kann sich Facebook auch nicht aus der Verantwortung entziehen, ein sicheres Angebot für Familien und ihre minderjährigen Kinder anzubieten bzw. zu gewährleisten.
Kinder können im Volksschulalter die Auswirkungen ihres Handelns in sozialen Netzwerken noch nicht abschätzen, weiß Kati Struckmeyer aus zahlreichen Workshops, die sie zu diesem Thema abhält. Die Themen Was passiert mit den gespeicherten Daten? Wer hat darauf Zugriff? Wie schaut es mit Urheberrecht aus? Wie kann ich mich und meine Daten schützen? müssen aktiv mit den Kindern besprochen werden. Außerdem sollte man Kinder in diesem Alter nicht alleine ins Internet lassen, sondern nur gemeinsam mit einem Elternteil.
Auch Thomas Dorn rät, den PC nicht im Kinderzimmer aufzustellen, sondern an einen Ort, an dem sich auch die Eltern aufhalten. Außerdem sollten die Eltern am Geschehen teilnehmen: die erste Zeit, in der ein Kind ein Programm oder eine Webseite ausprobiert, mitlernen - und überprüfen, ob es altersgerecht ist; dem Kind Ratschläge geben, was es ausprobieren kann, aber auch erklären, warum es da oder dort nicht hinklicken darf, z.B. weil es etwas kostet, oder einfach etwas für Erwachsene oder ältere Kinder ist.

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