Kinderlosigkeit aus psychischen Gründen
Psychische Aspekte der Kinderlosigkeit
Von ungewollter Kinderlosigkeit spricht man, wenn nach ein oder mehreren Jahren trotz ungeschütztem Geschlechtsverkehr noch immer keine Schwangerschaft eintritt. In Österreich sind davon 15 Prozent aller Paare betroffen. Neben den zahlreichen hormonellen, genetischen und sonstigen körperlichen, manchmal auch ungeklärten, Ursachen kann ein unerfüllter Kinderwunsch durchaus auch auf die Psyche zurückzuführen sein. Vielfach kann durch unbewusste, seelische Belastungen, welche oftmals eine Reaktion des eigenen Körpers sind, eine Schwangerschaft ausbleiben. Oftmals zeigt der Körper diese Reaktion um das Paar vor einer Überforderung zu schützen und zu bewahren. Diese Reaktion kann als psychosomatischer Schutzmechanismus betrachtet werden.
Belastung für Mann und Frau
Es ist in der heutigen Zeit schwer sich mit einem Problem auseinander zu setzen für das es erstmal keine Lösung zu geben scheint. Denn schließlich gilt ja immer noch und gerade in der heutigen Zeit der Leitsatz es gibt kein Problem für das es keine Lösung gibt - für viele Paare erschütternd wenn sie dann feststellen müssen, dass es sehr wohl Probleme und Situationen gibt die man nicht mal eben lösen kann. Auch diverse Lösungsstrategien und Pläne die man sich zurechtlegt verlaufen in dieser Hinsicht meist ins Leere. Kinder kriegen ist längst nicht mehr nur Frauensache und auch wenn der Mann in einem Großteil aller Beziehungen den stärkeren Part zugeteilt bekommt, geht eine ungewollte Kinderlosigkeit keinesfalls spurlos an ihm vorüber. Gekränkte Eitelkeit, das Gefühl zu versagen, Schuldgefühle und die Angst den Erwartungen der Gesellschaft nicht gerecht zu werden begleiten viele Männer in ihrem Alltag wenn der so sehr ersehnte Stammhalter einfach nicht kommen mag.
Grundsätzlich können folgende psychische Ursachen unter anderem dafür verantwortlich sein, wenn es mit dem Nachwuchs einfach nicht klappen mag:
- Übersteigerte Erwartungshaltung des persönlichen Umfelds
- Ungelöste Konflikte zur Herkunftsfamilie oder zu einem früheren Partner
- Unbewusste Schuldgefühle nach einer eventuellen früheren Abtreibung oder einer Fehlgeburt
- Nicht gelebte Trauer bei einer Fehl- oder Totgeburt oder auch bei Verlust eines geliebten Menschen aus dem persönlichen Umfeld
- Unbewusste Ängste beispielsweise vor Geburt, Schwangerschaft & Co
- Paarkonflikte
- Ungesundes Stressverhalten
- Perfektionismus
Kinderwunschbehandlung als Auslöser für psychischen Stress?
Auch eine Behandlung bei unerfülltem Kinderwunsch wie IVF (In vitro Fertilisation) oder ICSI (Intra zytoplasmatische Spermieninjektion) kann die Psyche sehr belasten. Die Bereitschaft der betroffenen Paare, diese Belastungen auf sich zu nehmen, reflektiert oftmals den erheblichen Leidensdruck, der durch die ungewollte Kinderlosigkeit entsteht. Der Wunsch schwanger zu werden wird vielfach so fokussiert, dass für den Alltag, die Beziehung und die Zuneigung zueinander kaum noch Platz bleibt. Es wird eine Vielzahl an Stresshormonen ausgeschüttet, die den weiblichen Zyklus empfindlich stören können, worin oftmals (nicht immer) auch der Grund liegt weshalb eine Schwangerschaft auf sich warten lässt. Auch die Qualität der Spermien leidet unter einer Ausschüttung von zu vielen Stresshormonen.
Manche Frauen werden sogar erst dann schwanger, wenn sie sich mit der Tatsache abgefunden haben, niemals schwanger zu werden. So grotesk dies auch klingen mag, so logisch scheint die Erklärung dafür zu sein: Die Psyche hat nun keine Erwartungshaltung mehr, Stresshormone werden nicht mehr ausgeschüttet - der Zyklus wird somit nicht mehr gestört. Die Folge davon kann sein, dass sich der Körper nun leichter auf eine Schwangerschaft einstellt und sich der erwünschte Nachwuchs doch noch auf den Weg macht.
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