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Karrierek(n)ick Kinder

Eine aktuelle Studie beleuchtet Erfolgsfaktoren für berufstätige Mütter

Wann ist der ideale Zeitpunkt fürs Kinderkriegen?

Frauen, die Kinder und Karriere miteinander vereinbaren wollen, stellen sich häufig die Frage nach dem idealen Zeitpunkt für die Geburt eines Kindes. Gibt es ihn? Nein, sagen die Ergebnisse der Studie. Es gibt kein einheitliches Muster, das für den richtigen Zeitpunkt sprechen würde; verschiedene Modelle sind möglich. Die Mehrheit der befragten Mütter in Führungspositionen war zum Zeitpunkt der Geburt des ersten Kindes jedoch älter als 30 Jahre. Bei zwei Drittel der Frauen erfolgte die erste Geburt zwischen dem 31. und 41. Lebensjahr. Der größte Teil der Frauen war demnach beruflich bereits erfahren, knapp die Hälfte von ihnen befand sich schon in einer Führungsposition.

Auffällig ist, dass die meisten Mütter in Führungspositionen ihre Berufstätigkeit für die Geburt des Kindes nur kurz unterbrochen haben. Häufig erfolgte der Wiedereinstieg direkt nach dem Mutterschutz, teilweise auch währenddessen, insbesondere im Falle der Unternehmerinnen. Sie sind in der Regel wenige Tage oder gar Stunden nach der Geburt ins Büro zurückgekehrt und haben das Kind zum Teil mitgenommen. Für die meisten Unternehmerinnen verschmilzt berufliches und privates Leben miteinander und die Kinder werden in dieses Modell integriert.

Mangelnde Akzeptanz ist Hindernis

Vergleichsweise schwieriger gestaltet sich die Situation für die Frauen, die in großen oder mittelständischen Unternehmen angestellt sind. Obwohl es in den meisten Unternehmen inzwischen gute Ansätze für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gibt, kritisiert die Mehrheit der befragten Mütter in Führungspositionen, dass eine authentische und gelebte Vereinbarkeitskultur im Unternehmen oft nur teilweise existiere. Das Thema Vereinbarkeit nehme noch keinen selbstverständlichen Platz im Unternehmen ein und das Aushandeln vereinbarkeitsfreundlicher Regelungen bleibe sehr stark einem individuellen Prozess überlassen. Oftmals klaffen, besonders in großen Konzernen, die in Leitbildern formulierten Ansprüche und die Wirklichkeit noch weit auseinander.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es im beruflichen Umfeld in erster Linie an Akzeptanz mangelt. Entscheidend ist aus Sicht der befragten Müttern in Führungspositionen eine Änderung der Unternehmenskultur: 89 Prozent messen der „Akzeptanz von Familienkarrieren“ große Bedeutung bei und 80 Prozent meinen, dass „glaubhafte Vorbilder im Management“ die Vereinbarkeit wesentlich unterstützen würde.

Die persönliche Förderung durch den eigenen Vorgesetzten oder andere wichtige Personen im Unternehmen war daher entscheidend für die erfolgreiche berufliche Weiterentwicklung der Frauen. Denn alle Befragten waren mit Widerständen im beruflichen Umfeld konfrontiert und erlebten, dass ihnen mit der Geburt eines Kindes automatisch ein nachlassendes Interesse an beruflichem Erfolg unterstellt wurde. Sie mussten sehr deutlich signalisieren, dass sie ihre beruflichen Ambitionen auch mit Familie verfolgen und ihre Leistung weiter ins Unternehmen einbringen wollen.

Von elementarer Bedeutung für die Vereinbarung von Kindern und Karriere ist die Unterstützung des Partners. Es gehört zu den auffälligsten Befunden der Studie, dass die Partner in der Mehrzahl der Fälle die berufliche Karriere der Frauen nicht nur akzeptiert und moralisch unterstützt haben, sondern auch partnerschaftlich und aktiv Familienpflichten übernehmen. Zwei Drittel der Väter kümmert sich stärker oder zu gleichen Teilen um den Haushalt und die Betreuung der Kinder.

Die Mehrheit der befragten Frauen hat sich bewusst für einen Partner entschieden, der bereit ist, von der traditionellen Rolle abzuweichen. Jedoch ist es nicht allen Männern gelungen, den Wunsch nach flexibler oder reduzierter Arbeitszeit im eigenen beruflichen Umfeld umzusetzen. Die Erfahrungen der Mütter in Führungspositionen und die ergänzenden Interviews mit Vätern weisen darauf hin, dass es für Männer vergleichsweise schwerer ist, sich Freiräume für familiäre Aufgaben zu schaffen. Politische wie unternehmerische Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit müssen deshalb künftig sehr viel stärker auch auf Männer abzielen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Mütter in Führungspositionen nicht weniger motiviert und engagiert sind als andere Führungskräfte. Sie verfügen im Gegenteil über ein hohes Potenzial und über Ressourcen, die sie zusätzlich stärken, ihre Kompetenzen erweitern und ihnen neue Blickwinkel eröffnen. Sie stellen ein wichtiges Potenzial für Unternehmen dar. Die befragten Mütter in Führungspositionen kritisieren strukturell schwierige Bedingungen in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt. Sie haben aber individuell praktikable Lösungen gefunden und sich von ungünstigen äußeren Bedingungen weder abschrecken noch aufhalten lassen. Damit künftig mehr Frauen mit Kindern der berufliche Aufstieg gelingt, ist neben dem flächendeckenden Ausbau bedarfsgerechter Kinderbetreuungseinrichtungen die Entwicklung einer familienfreundlichen Unternehmenskultur von elementarer Bedeutung.

Entscheidend wird sein, dass Unternehmen eine vereinbarkeitsfreundliche Führungskultur entwickeln und eine flexible Arbeitsorganisation fördern. Eine selbstverständliche „Vereinbarkeitskultur“ in den Unternehmen ermöglicht es langfristig auch Männern in Führungspositionen, eine aktivere Rolle als bisher in der Familie einzunehmen.

Weitere Informationen zur Studie: www.eaf-berlin.de

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