Kind und Karriere: keine Kompromisse
Brigitte-Studie "Frauen auf dem Sprung"
"Diese Frauen werden die Gesellschaft wachrütteln."Das war das Fazit der großen BRIGITTE-Studie "Frauen auf dem Sprung" 2008. Und jetzt? Wie reagieren junge Frauen in der Krise? Wechseln sie ihre Meinung, wenn sich ihre Lebenssituation verändert? Was erwarten sie von der Politik? Was von den Unternehmen?
Deutschlands führende Frauenzeitschrift BRIGITTE hat in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und mit infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft die Studie "Frauen auf dem Sprung" fortgesetzt. 2007 wurden für die repräsentative Untersuchung insgesamt 1.020 Frauen zwischen 17 und 19 bzw. 27 und 29 Jahren persönlich interviewt. 18 Monate später nun das Update. Wir haben Frauen befragt, die bei der letzten Studie schon dabei waren.
Die brisanten Ergebnisse der neuen BRIGITTE-Studie zeigen: Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft sollten diesen selbstbewussten Frauen gut zuhören. Denn sie bestimmen das gesellschaftliche Modell von morgen. "Die jungen Frauen machen keinen Rückzieher, im Gegenteil, sie bekräftigen noch selbstbewusster, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen," sagt die Soziologin Prof. Jutta Allmendinger, WZB-Präsidentin und wissenschaftliche Leiterin der Studie.
Kinder und Karriere: Kein Grund für Kompromisse
Die Frauen sind seit der letzten Befragung noch kompromissloser geworden. Nur noch 17 Prozent würden für den Partner den Beruf wechseln, 2007 waren es noch 37 Prozent. Keine Kinder, weil der Partner das so will? Das käme nicht einmal für jede Zehnte in Frage. Für den Job die Familie vernachlässigen? Dazu waren 2007 noch 9 Prozent bereit, 2009 nur noch 4 Prozent. Trotz der problematischen Lage auf dem Arbeitsmarkt beurteilen die Frauen ihre eigenen Chancen zuversichtlich. "Sie wissen, dass sie gebraucht werden - und fühlen sich eher als Gewinnerinnen der Krise," sagt Jutta Allmendinger.
Die politisierte Generation
Im Jahr der Wirtschaftskrise hat eine starke Politisierung der Frauen stattgefunden, so ein weiteres überraschendes Ergebnis der Studie. Zwar finden sie bei den Parteien nicht, was ihnen wichtig ist, aber fast die Hälfte kann sich vorstellen, gesellschaftlich aktiv zu werden. "Diese Bereitschaft, den Mund aufzumachen, sich auch politisch zu engagieren, zeugt von Verantwortungsgefühl. Das ist ein enormer Umbruch," sagt Jutta Allmendinger.
Liebe und Geld
Was ist bei einem Mann am wichtigsten? Hier steht der Wunsch nach einem Partner, der sich Zeit für die Familie nimmt, an erster Stelle. Sein Einkommen interessiert die jungen Frauen am wenigsten. Gefragt ist die gleichwertige Partnerschaft, das Modell des Ernäh-rers hat ausgedient. Die Frauen wollen ihr eigenes Geld verdienen. Dabei legen sie vor allem Wert auf Kontinuität: 91 Prozent sagen, dass ihnen ein sicherer Arbeitsplatz wichtig ist, nur 60 Prozent nennen ein hohes Einkommen. Trotzdem sind sie unzufrieden, weil sie weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. "Das ärgert die gewaltig," so Sozio-login Allmendinger. Die Frauen wissen, dass sie hervorragend ausgebildet sind, 78 Pro-zent geben an, dass sie gern Verantwortung übernehmen. Allerdings haben sie auch Angst vor Misserfolg: 44 Prozent zweifeln oft an den eigenen Fähigkeiten, 61 Prozent machen sich oft Sorgen. Diese Selbstzweifel können auf dem Weg nach oben bremsen. Aber: "Die Zeiten sind günstig für Frauen. Sie wollen springen, ich hoffe, sie werden das auch tun," sagt Jutta Allmendinger.
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www.brigitte.de/studie-update
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