Wenn Leistung zum Druck wird

Doppelbelastung setzt vor allem Frauen zu

     

Britta Saphira Brutscher erklärt, woher das Leistungsdenken kommt und wie man alte Muster durchbrechen kann.

Dass immer mehr Menschen bei Ihrer Arbeit nicht mehr auf- sondern untergehen, ist längst kein Geheimnis mehr. Meist sind dies Menschen, die ihre Arbeit lange Zeit geliebt haben, und mit großem Engagement dabei waren und dann plötzlich unter der Last zusammenbrechen, weiß unsere Stress-Expertin Britta Saphira Brutscher.

Doppelbelastung setzt vor allem Frauen zu

Doppelbelastung setzt vor allem Frauen zu

Johan Larson - fotolia.com

Männer, aber vor allem auch Frauen sind davon betroffen, da sie meist Doppelbelastungen ausgesetzt sind. Oft haben sie sich ihre Positionen in Betrieben hart erkämpft und sich eine gewisse Stellung erarbeitet. Zu anfangs machte der Sprung auf die Karriereleiter noch Spaß, sie erhielten viel Anerkennung, was sie zu noch größeren Leistungen motivierte.

Das Privatleben, der Haushalt, die Freizeit, die Familie war zu anfangs auch noch gut unter den Hut zu kriegen – und plötzlich wird es zu viel, die Batterien sind leer, die Leistung wird zum Druck. Ab diesem Zeitpunkt wird das Leben eher anstrengend. Am Sonntag graut es schon vor dem Montag und das Wochenende ist mit so vielen Aktivitäten verplant, dass kaum mehr Zeit für sich selbst bleibt. 

Wo liegen aber die Gründe für diese Entwicklung?

Die Gründe dafür finden sich bereits in der frühesten Kindheit und Erziehung wieder. Wir alle sind in einer Leistungsgesellschaft groß geworden mit Werten und Botschaften wie "Erfolg durch harte Arbeit", "ohne Fleiß kein Preis", "von nichts kommt nichts" "wer nicht arbeitet ist ein Faulpelz", etc.

Die meisten Menschen wurden als Kinder für Leistung mit Anerkennung und Liebe belohnt, wer keine Leistung erbracht hat, wurde gar nicht erst beachtet und für schlechte Leistung wurde bestraft.

Das Verhalten zur Leistungsorientierung wurde also schon in der Kindheit fest verankert. Kinder haben gelernt, für Leistung erhalte ich Liebe und Anerkennung – ohne Leistung erhalte ich Ignoranz oder gar Strafe. So entwickeln sich also Kinder, die schon früh gute Leistungen erbracht haben und dafür besonders viel Liebe und Anerkennung bekommen haben, später zu erfolgreichen Menschen, die es zu Höchstleistungen erbringen werden, denn sie wissen, wenn auch unbewusst, dass sie ohne Leistung diese Anerkennung nicht bekommen werden – auch von sich selbst nicht.

Die innere Erwartungshaltung und der Anspruch an sich selbst sind bei diesen Menschen besonders groß. Sie werden es nie erleben, dass bei diesen Menschen das Haus nicht in Ordnung ist oder etwas unordentlich ist. Auch haben diese Menschen selten Zeit, sich auszuruhen, denn es gibt immer etwas zu tun. Ruhen sie sich doch einmal aus, so meldet sich bald das schlechte Gewissen mit "ich sollte" und "ich müsste". Diese beiden Formeln zeigen schon die Konditionierungen aus der Kindheit an. „Ich sollte" deutet immer auf ein von außen übernommenes Verhalten hin, während "ich möchte" eine ganz andere Qualität aufweist – "ich möchte" kommt aus dem Wunsch aus sich selbst heraus.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass Kinder in ihrer Kindheit kaum Anerkennung und Liebe erhalten haben, da sie nicht die Leistung erbracht haben, die die Eltern erwartet hatten. Diese Kinder entwickeln im Erwachsenenalter ebenfalls ein hohes Streben nach Anerkennung und treiben sich zu Höchstleistungen an. Sie versuchen das Defizit zu kompensieren, was ihnen auch meistens tatsächlich gut gelingt. Allerdings wird das Defizit des inneren Kindes nie tatsächlich geheilt. Durch mangelnde Anerkennung für ihre Leistung, schlägt sich das schnell auf das Selbstwertgefühl nieder, denn diese Menschen sind selten zufrieden mit sich selbst und können deshalb Niederlagen nur schwer ertragen. Fehlt also die Anerkennung im außen, was in der heutigen Arbeitswelt oft der Fall ist, breitet sich schnell Unzufriedenheit aus und die Freude an der Arbeit geht verloren.

Beide Menschentypen haben eines gemeinsam: Das Streben nach Anerkennung und die ständige innere Motivation zu Höchstleistungen – ein Verhalten, das absolut unbewusst ist, denn es wurde aus einer Gewohnheit heraus gelernt, ebenso wie beim Autofahren das Schalten der Gänge. Dieses Verhalten geht allerdings soweit, dass die Batterien irgendwann leer sind und die Kraft einfach nicht mehr da ist. Die Freude am Tun geht verloren und Leistung wird zum Druck – denn ohne Fleiß kein Preis.

Spätestens dann meldet sich der Körper mit Krankheiten und Rückenschmerzen, ein typisches Anzeichen dafür sind Bandscheibenvorfälle: hier findet sich das geistige Muster für „Druck“ in den Bandscheiben durch den Druck der Wirbelkörper wieder. So wie die Bandscheibe dem Druck irgendwann nicht mehr stand hält, bricht auch der Mensch irgendwann unter dem Leistungsdruck zusammen. Es folgen oft Rückzug, Isolation und das schleichende Gefühl, nichts mehr zu schaffen.

Vor allem Frauen leiden unter dem immer weiter wachsenden Leistungsdruck, denn eine große Anzahl von Frauen hat das oft unbewusste Gefühl, immer und alle Zeit funktionieren zu müssen. Auch dieses Verhalten liegt in der Kindheit begründet: Dies sind die alten Werte die Rolle der Frau betreffend – aus Zeiten, in denen die Frau im Haushalt funktionieren musste, den Mann und die Familie versorgen, sich um das Haus kümmern und das Recht, auch Zeit für sich selbst zu nutzen blieb auf der Strecke.

Prägungen aus der Kindheit - gute wie schlechte

Prägungen aus der Kindheit - gute wie schlechte

Wie kann ich die Prägungen aus der Kindheit überwinden?

Auch wenn wir heute emanzipierter leben, sind diese Werte oft noch im Unterbewusstsein verankert – ebenso wie das Streben nach Anerkennung.

Diese unbewussten Prägungen und Konditionierungen aus der Kindheit lassen sich in einem Coaching, in einem Seminar und/oder der systemischen Aufstellungsarbeit sehr leicht lösen. Wichtig ist, sich der Ursachen erst einmal bewusst zu werden. Meist wird den Klienten dieses Verhalten schnell klar.

Ist die Ursache erst einmal bekannt, können alte Muster durchbrochen, die Defizite geheilt und neue Sichtweisen und Handlungsalternativen aufgebaut werden. Dadurch verändern sich der Anspruch an sich selbst und die innere Einstellung soweit, dass die Arbeit nicht mehr als Druck empfunden und auch Zeit für Ruhemomente eingebaut werden können – ohne Gewissensbisse. Kleine, aber kontinuierliche Schritte führen zu schnellen Erfolgen. Die Freizeit kann wieder genossen werden, auch wenn man keine Leistung erbringt. Leistung wird nur noch aus der Freude am Tun heraus erbracht. Es entwickeln sich schnell ein anderes Selbstgefühl und mehr Freude am Leben. Ein gesundes Maß aus Aktion und Regeneration stellt sich zunehmend ein, und Körper, Geist und Seele finden wieder Zeit zur Regeneration.

Co-Autorin: Britta Saphira Brutscher

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