Wie gefährlich ist das Humane Papillomvirus (HPV)?

Wie gefährlich ist das Humane Papillomvirus?

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Fast jeder Mensch infiziert sich im Laufe des Lebens mit HPV (Humane Papillomviren). Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über Geschlechtsverkehr. In den meisten Fällen sind diese Viren harmlos und lösen keine Beschwerden aus. Einige Virenarten gelten jedoch als Ursache für bestimmte Krebsarten. Mittlerweile gibt es Impfstoffe, die vor dem ersten Sexualkontakt verabreicht werden müssen, um vor Hochrisiko-HP-Viren zu schützen.

Was ist HPV?

Die Gruppe der für den Menschen relevanten Papillomaviren umfasst rund 200 nachgewiesene Varianten. Nicht alle haben ernsthafte Folgen für die Gesundheit. Die Viren befallen Haut und Schleimhäute und sorgen dort für ein unkontrolliertes Wachstum in Form von Warzen. Ungefähr 40 Arten treten im Genital- und Analbereich auf. Zwei Virustypen davon (Typ 6 und 11) sind Verursacher von Hautveränderungen in Form von sogenannten "Feigwarzen", zwei weitere (Typ 16 und 18) sind verantwortlich für die Entstehung von Gebärmutterhalskarzinomen.

Das Papillomvirus ist weltweit verbreitet; fast jeder Mensch infiziert sich einmal im Leben damit. Nicht zwingend jedoch werden dadurch Beschwerden ausgelöst. Daher kommt auch ein symptomfreier Virusträger als Überträger in Betracht.

Eine Ansteckung erfolgt in den meisten Fällen durch sexuelle Kontakte. Allerdings heilt die Infektion in 90% aller Fälle symptomlos und selbstständig aus. Nur bei etwa 10% der Betroffenen werden dauerhafte Zellveränderungen beobachtet. Davon wiederum entwickelt nur ein sehr geringer Prozentsatz innerhalb von 10 Jahren ein Gebärmutterhalskarzinom (Zervixkarzinom), also einen bösartigen Tumor.

Eine Infektion mit diesem Virus führt also keineswegs immer zu einer Karzinomerkrankung. Hingegen ist wissenschaftlich erwiesen, dass für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs eine HPV-Infektion eine Voraussetzung darstellt.

Wie werden die verschiedenen Virustypen klassifiziert?

Die Einteilung der Viren erfolgt in zwei große Gruppen. Die Niedrigrisiko-Typen (low risk) , insbesondere Typ 6 und 11, gelten als Hauptverursacher der genitalen Feigwarzen. Grundsätzlich sorgen sie nicht für lebensgefährliche Erkrankungen. Dass aus einer Feigwarze ein Karzinom entsteht, gilt als äußerst unwahrscheinlich.

Zu den Hochrisikotypen (high risk) zählen vor allem Typ 16 und 18 sowie Typ 31 und 33. Beim Auftreten eines Gebärmutterhalskarzinoms wird in fast 100% der Fälle mindestens einer dieser HPV-Typen nachgewiesen.

Low-Risk-Typen als Auslöser von Genitalwarzen

Frauen und Männer können gleichermaßen erkranken, jedoch bleibt die Ansteckung bei Männern häufig unerkannt oder symptomfrei. Ein schwaches Immunsystem, Entzündungen, die Einnahme von immunsuppressiven Medikamenten (z.B. Cortison) oder kleine Hautverletzungen begünstigen den Befall mit Feigwarzen. Raucher haben ein höheres Risiko, weil das in Zigaretten enthaltene Nikotin einen ungünstigen Einfluss auf das schleimhautschützende Niveau ausübt.

Die Übertragung erfolgt meist durch sexuelle Kontakte jeglicher Art (also ebenfalls bei Anal- oder Oralverkehr), in seltenen Fällen kann ein kontaminiertes Handtuch Auslöser sein. Eine HPV-infizierte Mutter kann ihr Kind während der Geburt infizieren. Allen Übertragungswegen ist der direkte Haut- oder Schleimhautkontakt gemeinsam.

Abhängig vom Übertragungsweg sorgen die Viren nicht nur an den Geschlechtsorganen, sondern gleichermaßen an den Schleimhäuten anderer Regionen für warzenähnliche Veränderungen. So können Mund, Nase, Luftröhre, Kehlkopf und sogar das Auge betroffen sein. Die regelhaft gutartigen Neubildungen können gefährlich werden, wenn sie die Atemwege verlegen.

Die Diagnostik erfolgt über einen Essigsäuretest. Verfärbungen machen die häufig sehr kleinen Feigwarzen sichtbar. Alternativ werden Gewebeproben entnommen und untersucht.

Die Genitalwarzen sind überwiegend ungefährlich, stellen aber ein kosmetisches Problem dar. Der instrumentellen chirurgischen oder lasergesteuerten operativen Therapie stehen das Kauterisieren (elektrische 'Verbrennung') oder die Vereisung gegenüber. Hier entscheidet der Arzt je nach Befall und Ausbreitung der Papillome. Gleichzeitig kann eine Behandlung mit Zellwachstumshemmern sowie Immunstimulanzien (zur Steigerung der körpereigenen Abwehr) erfolgen, um einem erneuten Ausbruch der Infektion vorzubeugen.

Hochrisikotypen als Krebsauslöser

Die Hochrisikotypen des HPV-Virus verbleiben bei etwa jedem 10. Infektionsfall dauerhaft im Gewebe und nisten sich dort ein. Eine solche persistierende Entzündung kann krankhafte Zellveränderungen auslösen und so eine Karzinomerkrankung begünstigen.

Die Ansteckung mit den HPV-Viren verläuft zunächst ohne Symptome. Bis zu einer Krebserkrankung können viele Jahre vergehen, so dass der Zeitpunkt einer Infektion oft nicht mehr ausgemacht werden kann. Der regelmäßig empfohlene Gebärmutterhalsabstrich zur Krebsvorsorge kann wichtige Hinweise auf eine solche Infektion liefern. Finden sich hier vermehrt verdächtige Zellstadien, kann im Labor eine Virus-Typisierung nach der HPV-Skala vorgenommen werden.

Ist das Ergebnis der Typisierung negativ, kann trotzdem kein Ausschluss einer früheren, bereits ausgeheilten HPV-Infektion erfolgen. Bei einem positiven Ergebnis sollten in jedem Fall engmaschig weitere Kontrollen vorgenommen werden, um Zellveränderungen frühzeitig zu entdecken. Auch die Untersuchung mit einem Kolposkop (Lupenoptik) ermöglicht dem Facharzt eine äußerliche Beurteilung der Zellqualität am Gebärmutterhals.

Der nach seinem Erfinder George Papanicolaou benannte "PAP"-Test teilt die Zellveränderungen des untersuchten Gewebes in fünf große Stadien ein, die z.T. noch Unterstadien beinhalten. Sofern sich ein Befund dauerhaft auffällig zeigt oder sogar verschlechtert, kann eine gezielte Gewebeentnahme am Gebärmutterhals und -mund zur Diagnostik erfolgen. Eine weitere diagnostische und therapeutische Möglichkeit ist die Konisation (kegelförmige Ausschneidung des Gebärmutterhalses).

Die Diagnose eines Zervixkarzinoms zieht weitere labortechnische und operative Diagnostikverfahren nach sich. Es geht dabei um die Beurteilung der lokalen Tumorausbreitung und der Streuung in andere Organsysteme. Therapie und Heilungsverfahren richten sich nach den Ergebnissen dieser Untersuchungen aus.

Kann einer HPV-Infektion vorgebeugt werden?

Die beste Vorsorge gegen Gebärmutterhalskrebs besteht darin, eine Ansteckung mit dem HPV-Virus zu vermeiden. Die Verwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr ist die einzige Möglichkeit, sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen. Gegen die Verbreitung von Papillomviren bieten Kondome jedoch nur etwa 50%-igen Schutz. Die Viren können sich auch außerhalb der durch das Kondom geschützten Bereiche in den Schambereich des Partners ausbreiten und von dort weiter vordringen. Die empfohlene regelmäßige Vorsorgeuntersuchung beim Facharzt ist daher für Frauen unerlässlich.

Seit 2006 existiert ein Impfstoff gegen humane Papillomviren. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfahl zunächst eine Durchimpfung der 12-17jährigen Mädchen. Diese Impfung ist allerdings nur wirksam, sofern es noch nicht zu einer Ansteckung gekommen ist. Statistischen Auswertungen zufolge haben immer mehr junge Menschen immer früher sexuelle Kontakte. Aus diesem Grund wurde 2014 das Alterssegment für die Impfempfehlung auf 9-14 Jahre korrigiert. Die beiden vorhandenen Impfstoffe immunisieren gegen die Hochrisikogruppen vom Typ 16 und 18, einer zusätzlich gegen die Niedrigrisikotypen 6 und 11 sowie einige Genotypen. Die Impfung wird mittlerweile von allen Krankenkassen übernommen.

In Deutschland liegt die Durchimpfungsrate bei unter 50%. Untersuchungen in Australien haben bei einer sehr hohen Durchimpfungsrate der Mädchen einen erheblichen Rückgang von verdächtigen Zellkomplexen im Gebärmutterhalsabstrich sowie bei den Genitalwarzen ergeben. Gleichzeitig ist auch die Infektionsrate bei den Jungen signifikant gesunken (Phänomen 'Herdenschutz'). Derzeit wird die Impfung männlicher Jugendlicher noch diskutiert.

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