Buchrezension: Mordswiesn

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Buchrezension vom Kriminalroman 'Mordswiesn'; Bildquelle: Gmeiner Verlag

Buchrezension vom Kriminalroman 'Mordswiesn'; Bildquelle: Gmeiner Verlag

Gmeiner Verlag

„Mordswiesn“ vom deutschen Autor Michael Gerwien erzählt von einem Mord an einem Immobilienwirt auf der Münchner Wiesn.

Alljährlich werden tausende von Menschen auf das wohl berühmteste Herbstfest Deutschlands gelockt – das Oktoberfest. Die Stimmung kocht, die Zelte sind voll, Bier strömt im Überfluss. So wie viele andere genießen der Münchner Ex-Kommissar Max Raintaler und sein Freund Hauptkommissar Franz Wurmdobler das bunte Treiben und lernen beim gemeinsamen Austreten den Immobilienwirt Schorsch Huber kennen.

Der spendable Riese schenkt den beiden je 100 Euro unter der Bedingung, das Geld noch am selben Abend zu vertrinken. Gesagt getan und so vergnügen sich die beiden Herren mit dem geschenkten Geld und lassen es sich und einigen Freunden gut gehen. Max Raintaler lernt im Bierzelt eine hübsche Italienerin und ihre Schwester, Bellina und Mariella, kennen und verlässt nach kurzem Geplänkel gemeinsam mit den beiden und mit seinem Freund Josef Stirner die Lokalität. Fahrgeschäfte werden ausprobiert und jede Flirterei genutzt.

Bei der Rückkehr ins Bierzelt muss der Ex-Kommissar dann feststellen, dass der spendable Immobilienwirt hinter dem Bierzelt mit einem Maßkrug erschlagen wurde. Max und Franz sehen sich persönlich verpflichtet und starten sofort mit den Ermittlungen, die sie beide in ungeahnte Situationen bringen werden.

Das Oktoberfest spielt in diesem Roman natürlich eine zentrale Rolle, da es immer wieder zum Schauplatz diverser Ereignisse wird. Bier, schöne Frauen und Männerfreundschaften stehen im Mittelpunkt der Geschichte und auch die Beziehung zwischen Max und Monika sowie seine Vergangenheit, vor allem sein frühzeitiger Austritt aus der Arbeitswelt, werden immer wieder angesprochen. Auch die Schwulenszene wird mit dem Immobilienwirt Schorsch Huber ins Zentrum gerückt und bedient das eine oder andere Klischee.

Der Kriminalroman beginnt gleich mitten im Geschehen am Oktoberfest und macht es dem Leser leicht sich auf die Charaktere und Gegebenheiten einzustellen. Sehr schnell wird einem als LeserIN klar, dass die zentralen Thematiken wie Bier, schöne Frauen und diverse Liebeleien zeitweise zu sehr in den Vordergrund rücken und das Lesen nicht unbedingt spannender machen.

Der Mord und die dazugehörigen Ermittlungen kommen immer wieder zwischen den Ausflügen und der Liaison zwischen Max und Bellina, der eigentlich ja mit Monika liiert ist, vor und rücken für mich zu sehr in den Hintergrund. Für mich verliert der Mordfall dadurch sehr an Spannung. Auch die Ermittlungen selbst verlieren häufig an Glaubwürdigkeit und wirken mehr als realitätsfern.

Ein Ex-Kommissar und sein Freund vergnügen sich mal eben mit zwei jungen, gutaussehenden Italienerinnen – was auch mehr als Wunschgedanke des Mannes anzusehen ist - und Max kassiert locker lässig eine Menge Geld für Nachforschungen, die nicht Hand und Fuß haben. Auch die ständigen Anspielungen auf den nicht freiwillig gewollten Ausstieg von Max lässt den Leser, der noch keinen Vorgängerroman gelesen hat, im Dunkeln. Eine Aufklärung oder kurze Rückblende wird nicht gegeben. Die Nebengeschichte von Monika, die mit ihrer Freundin und zwei jungen Touristen unterwegs ist, wird ohne tieferen Hintergrund und ohne Zusammenhang mit dem Mordfall erzählt. Auch die Entführung von Max wird im Vorübergehen eingestreut und ohne jegliche Dramatik abgehandelt.

Die Aufklärung des Mordfalls selbst geht am Ende dann viel zu schnell und wirkt sehr weit hergeholt. Würde die Polizei tatsächlich nur nach dem Ermessen und dem Gefühl eines Ex-Kommissars handeln und ermitteln, wäre es um unsere Sicherheit mehr als schlecht bestellt.

Das Buch „Mordswiesn“ ist für mich ein sehr männerorientierter Roman. Männer können die Leidenschaft der Hauptfigur für Bier, Freizeitgestaltung und fremde Frauen vielleicht besser nachempfinden. Ich als Frau war von bestimmten Passagen im Buch eher peinlich berührt und die Geschichte bzw. die Hauptfiguren werden für mich von der Midlifecrisis pur regiert. Die Geschichte baut für mich keine richtige Spannung auf und mir wurde zwischendurch langweilig. Ich muss leider sagen, dass ich sehr froh war, dass Ende des Buches erreicht zu haben. Ein weiterer Roman vom Ex-Kommissar Raintaler wird wohl eher nicht auf meiner Leseliste zu finden sein.

Mordswiesn
von Michael Gerwien
Erschienen im Gmeiner Verlag: Juli 2013
ISBN 978-3-8392-1421-3
11,99 €

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