Dirty John Staffel 2 oder "Szenen einer gescheiterten Scheidung"

Dirty John: Betty Broderick - Szenen einer gescheiterten Scheidung

Netflix

   

Was du aus dieser Serie für ein Scheidungsverfahren lernen kannst

In Staffel 2 der beliebten Netflix True Crime-Serie „Dirty John“ geht es um ein Scheidungsdrama der Extraklasse: die Ehe von Dan und Betty Broderick, in der die Rollen klassisch verteilt sind, wird beleuchtet.

Betty opfert sich für diese Beziehung regelrecht auf: angefangen von der finanziellen Unterstützung für Dans kostspielige Ausbildung zum Anwalt in den Anfangsjahren bis zur umfassenden Betreuung der vier gemeinsamen Kinder. Mitten in das mittlerweile sehr luxuriöse Leben der Brodericks platzt die junge Anwaltsgehilfin Linda, mit der Dan eine Affäre beginnt und die schlussendlich den Grund für den jahrelangen Rosenkrieg darstellt. In diesem Fall sogar mit tödlichem Ausgang.

Hier kannst du dir den Trailer zur Netflix-Serie anschauen.

12 Aspekte aus „Dirty John“, die uns vor Augen führen, wie man bei einer Scheidung NICHT vorgehen sollte

Bei einer Scheidung, insbesondere wenn sie strittig ist, ist einiges zu beachten. In der Serie werden alle Register gezogen, wie man es nicht machen soll. Wir haben gemeinsam mit Katharina Braun, auf Ehe- und Familienrecht spezialisierte Rechtsanwältin in Wien, die Serie unter diesen Gesichtspunkten beleuchtet und analysiert. Lies hier, welches in Dirty John gezeigte Verhalten du auf alle Fälle vermeiden solltest:

1. Hör auf den Rat deiner Rechtsvertretung

Wenn man sich einen Rechtsanwalt nimmt, sollte man auf dessen Ratschläge hören. Schließlich zahlt man diesen auch dafür und der Rechtsanwalt haftet für seinen Rat.

Auch hat der Anwalt die notwendige emotionale Distanz. Aus der Emotion getroffene Entscheidungen stellen sich im Nachhinein oft als nachteilig heraus (siehe dazu auch Punkt 4, 5 und 7)

Lass dir bei der Entscheidung, welcher Anwalt dich vertreten soll, ruhig Zeit. Denn ein Rechtsanwaltswechsel während der laufenden Scheidung solltest du, wenn möglich, vermeiden: das führt immer zu höheren Kosten, mehr Arbeit und Informationen gehen verloren.

2. „Selbst ist die Frau“ gilt nicht (immer) vor Gericht

Betty vertritt sich in „Dirty John“ selbst vor Gericht, was von der Gegenseite sofort ausgenutzt wird. Sie hätte durch ihr vehementes Auftreten und ihre hervorragende Eigenvertretung bewiesen, dass sie sich in der Arbeitswelt sicherlich gut durchsetzen kann und einen geeigneten Job finden wird. Sie sei daher nicht auf Unterhalt angewiesen.

In einer solch emotionsgeladenen Situation sollte man von einer Selbstvertretung Abstand nehmen. Schon mancher vielleicht sonst gutmütiger Mensch hinterließ durch aggressives Auftreten bei Gericht einen äußerst schlechten Eindruck.

3. Gerichtsladungen ist Folge zu leisten, Fristen sind einzuhalten

Viele glauben (wenn auch zu Unrecht), dass das Gericht keine Entscheidung fällt, solange man nicht persönlich anwesend ist. Sie stecken den Kopf in den Sand und hoffen, der Sturm zieht von allein vorüber.

Weit gefehlt:  Es kann auch in Abwesenheit geschieden werden. Erscheint z.B. bei einer strittigen Scheidung die beklagte Person auch bei einem zweiten Gerichtstermin nicht, so wird das Urteil in Abwesenheit gefällt.

In Pflegschaftsverfahren (so wie auch in anderen Gerichtsverfahren) ist es so, dass eine Nichtäußerung zu einem gegnerischen Antrag als Zustimmung gilt.

Jeder ist selbst dafür verantwortlich, die zur Verfügung stehenden Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. Denn: Unwissenheit gilt vor Gericht nicht als Ausrede.

4. Gerichtsverfahren sind keine Vergangenheitsbewältigung, es geht um Rechtsfakten

Betty zeigt in der Serie wieder sehr schön, wie es nicht laufen sollte: sie entlädt ihren ganzen emotionalen Frust und Zorn bei der Psychologin, die vom Gericht zur Erstellung eines psychologischen Gutachtens bestellt wurde.

Das ist definitiv die falsche Stelle für derartige Offenbarungen. Die Folge: Dan bekommt die Obsorge für die Kinder und Betty wird sogar ein Kontaktrecht abgesprochen, da sie als psychisch labil eingestuft wird.

Menschen, die emotional stark belastet sind, sind gut beraten zu ihrer Entlastung externe therapeutische Beratung oder ein Coaching in Anspruch zu nehmen.

5. Emotion ist schlechter Ratgeber bei Verhandlungsgestaltung

Die Erstangebote bedürfen erfahrungsgemäß zwar immer ein Nachverhandeln, verdienen aber oft eine ernsthafte Auseinandersetzung.

Aus der Verletzung heraus kommt es aber oft dazu, dass Erstangebote sofort vehement abgelehnt und hohe Gegenforderungen gestellt werden.

Als Betty Unrealistisches fordert, wird sie als gieriges Luxusgeschöpf dargestellt, was ein schlechtes Licht auf sie wirft.

6. Die Einkommensermittlung bei Selbständigen ist schwierig

Das Einkommen bildet die Grundlage für die Unterhaltsbemessung. Im Gegensatz zu Angestellten ist das bei Selbständigen aber nicht so einfach.

Im Einkommenssteuerbescheid scheinen nicht alle Einkünfte auf (z.B. Gewinnentnahmen aus einer GmbH oder Dividenden).

Auch kann gegenüber der Finanz mehr abgesetzt werden als gegenüber einem steuerberechtigten Kind oder Ehepartner. Es kommt auf den Lebenserhalt an.

7. Kinder aus Scheidungsverfahren raushalten

In „Dirty John“ ziehen sowohl Dan als auch Betty die Kinder immer wieder hinein und bringen sie damit in einen Loyalitätskonflikt.

Scheidungsstreitereien, die vor den Kindern ausgetragen werden, belasten diese sehr und prägen oft ihr eigenes Beziehungsverhalten. Diese Narben sind mit keinem Geld der Welt aufwiegbar.

Wenn keine konstruktive Kommunikation möglich ist, verlieren alle. Wobei die Kinder leider die größten Verlierer sind.

8. Gerichtsauflagen sind einzuhalten

Betty hält sich wiederholt nicht an Gerichtsauflagen und Betretungsverbote. Sie bekommt dafür nicht nur immer höhere Geldstrafen, sondern kommt sogar in Gefängnis.

Gerichtsauflagen und rechtskräftige Beschlüsse sind einzuhalten. Ja, auch über Frauen (wenn auch seltener) kann ein Betretungsverbot verhängt werden und so per einstweiliger Verfügung untersagt werden, dass sie sich dem Partner annähern.

9. Ehe-Aus terminlich fixieren

Der Zeitpunkt des Ehe-Aus ist maßgeblich für verschiedene Bemessungen. Kredite zum Beispiel, die während einer aufrechten Ehe zurückbezahlt werden, gelten als gemeinsam zurückbezahlt. Nach dem Ehe-Aus zurückbezahlt, wird dieser Betrag bei Ausgleichszahlungen demjenigen gutgeschrieben, der ihn auch tatsächlich bezahlt hat. Daher wird im österreichischen Recht auch immer wieder über den Zeitpunkt der ehelichen Gemeinschaft gestritten.

Oft kommen die Partner aber nur mündlich überein, dass sie nicht mehr als Ehepaar leben wollen, obwohl noch unter einem Dach gelebt oder gemeinsam an gesellschaftlichen Terminen teilgenommen wird. In einem solchen Fall hält kaum jemand den Zeitpunkt der Aufhebung der ehelichen Gemeinschaft schriftlich fest.

10. Auszeit von Scheidung wichtig

Betty kennt mit ihren Freunden nur ein Thema: ihren Rosenkrieg. Anfänglich sind die Freunde noch interessiert, doch mit der Zeit wird es diesen zu viel. Die Freunde gehen auf Abstand.

Es ist ganz normal, dass man sich in der ersten Zeit einer Scheidung oder Trennung trostsuchend an seine Freunde wendet, doch dies darf nicht zum Lebensinhalt werden.

Zumal verwirren auch die unterschiedlichen Tipps der Freunde mehr, als das sie nutzen. Durch das ständige Reden über schwere Themen begibt man sich immer mehr in eine Negativspirale.

Vorsicht auch bei gemeinsamen Freunden: Dem Noch-Ehepartner werden oft Informationen zugetragen, von denen es für das Verfahren besser gewesen wäre, er hätte diese nicht erhalten.

So schwierig es ist, so wichtig ist es, sich während eines Scheidungsprozesses Auszeit von der Scheidung zu nehmen: Sport machen, in die Natur gehen, einem Hobby nachgehen.

11. Scheidungsthema hat am Arbeitsplatz nichts verloren

Oft (so auch in Dirty John) werden Mitarbeiter, Kollegen, Chefs in die Scheidung involviert. Dies belastet nicht nur das Betriebsklima, sondern man läuft Gefahr, dass der Chef, Kollege oder Mitarbeiter den Respekt verliert.

12. Scheidungsprozesse gehören zu den größten Krisen eines Menschen

Die meisten Mordtaten, von denen man in den Medien erfährt, sind Beziehungstaten, oft im Zusammenhang mit einer Scheidung oder Trennung.

Der Erhalt einer Scheidungsklage versetzt den Empfänger in einen extrem emotionalen Krisenzustand. Bei Partnern, die bereits in der Vergangenheit zu Aggression neigten, ist hier mit besonderer Umsicht vorzugehen.

Rechtsanwältin Mag. Katharina Braun

Rechtsanwältin Mag. Katharina Braun

Doris Mitterer

Über die Autorin

Rechtsanwältin Mag. Katharina Braun steht ihren Klienten mit ihrer langjährigen juristischen Praxiserfahrung im Ehe- und Familienrecht zur Verfügung. Sie setzt auf die Verbindung von Recht, Kreativität und Medien.

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