Verhütung nach der Geburt

Verhütung nach der Geburt

Die meisten frischgebackenen Eltern wünschen sich direkt nach der Geburt nicht sofort ein weiteres Kind. Wenn noch weitere Kinder zur Familie dazu kommen sollen, dann meistens mit einem Abstand von zwei bis drei Jahren. Aber welche Verhütung nach der Geburt sollte gewählt werden?

Nach der Geburt solltest du dir schon relativ rasch Gedanken über eine passende Verhütung machen. Stillen kann zwar einen verhütenden Effekt haben, dieser ist aber nicht sehr sicher. Wichtig ist hierbei, dass die gewählte Verhütungsmethode die Muttermilch nicht beeinflusst, aber dennoch effektiv vor einer erneuten Schwangerschaft schützt. In diesem Beitrag erfährst du, was du bei der Verhütung nach der Geburt beachten solltest.

Nach der Geburt: Wann ist eine Empfängnis möglich?

Normalerweise findet der erste Eisprung circa vier bis sechs Wochen nach der Entbindung statt. Dieser tritt jedoch nur ein, wenn Frauen voll stillen. Mediziner beschreiben das Vollstillen zur Empfängnisverhütung als Lactational Aamenorrhea Method (LAM). Internationale Forschungsergebnisse zeigen, dass LAM eine 98-prozentige Sicherheit ermöglicht. Die Stillinfertilität weist einen Pearl Index von 2 auf und ist damit ähnlich sicher wie die Nutzung eines Kondoms oder Diaphragmas.

Rund 14 Tage nach dem Eisprung entfällt der natürliche Empfängnisschutz. Es ist möglich, dass bei stillenden Frauen die Monatsblutung über einen längeren Zeitraum hinweg ausbleibt. Das erhöht die Gefahr für eine ungewollte Schwangerschaft kurz nach der Geburt.

Was schützt vor einer erneuten Schwangerschaft?

Egal ob du dein Baby voll stillst oder nicht, du solltest dir relativ rasch nach der Geburt Gedanken um die Verhütung machen. Wie oben erwähnt tritt die erste Menstruation bei den meisten Frauen, die nicht stillen, bereits 4 bis 6 Wochen nach der Geburt auf. 6 bis 18 Monate dauert es bei Frauen, die voll stillen. Jeweils ca. 2 Wochen davor findet der erste Eisprung nach der Geburt statt.

Die Mär, dass Stillen vor einer erneuten Schwangerschaft schützt, wurde in der Vergangenheit durch zahlreiche Fälle widerlegt. Das ausgeschüttete Hormon Prolaktin wirkt zwar wie ein Verhütungsmittel, jedoch führen bereits Stillpausen von mehr als 4 Stunden zu einer so großen Prolaktinreduktion im Blut, dass es zu einem Eisprung kommen kann.

Schützt Stillen vor einer Schwangerschaft?

Empirische Untersuchungen belegen bislang vermutete Zusammenhänge zwischen dem Stillen und einer natürlichen Schwangerschaftsverhütung. Wissenschaftler begründen dies durch die verstärkte Bildung des Hormons Prolaktin, welches den Milchfluss unterstützt. Prolaktin blockiert beziehungsweise verlangsamt die Eierstockaktivität. Der Pearl Index liegt zwischen 2 und 4, wenn Mütter voll stillen.

Damit verhindert das Stillen den weiblichen Eisprung, wenn folgende Kriterien zutreffen:

  • Säugling ist jünger als sechs Monate
  • Höchstdauer von Stillpausen beträgt sechs Stunden (nachts) und tagsüber circa vier Stunden
  • nicht mitzuzählen ist das Abpumpen von Milch, wenn die Frau beispielsweise berufstätig ist
  • pro Tag stillt die Frau mehr als 80 Minuten
  • das Baby erhält keine zusätzlichen Mahlzeiten, zum Beispiel Brei, Wasser oder Tee
  • Monatsblutung, abgesehen vom Wochenfluss, ist nicht wieder eingetreten

Erste Ergebnisse lassen weiterhin vermuten, dass die häufige Nutzung von Fläschchen mit Tee oder Wasser beziehungsweise vom Schnuller den natürlichen Empfängnisschutz zusätzlich senken kann.

Trotz dieser Zusammenhänge gilt zu beachten, dass ein Eisprung ohne Ausnahme vor der Regelblutung stattfindet. Damit gilt das Ausbleiben der Monatsblutung nicht als zuverlässiges Zeichen eines noch bestehenden Schutzes vor einer unerwünschten Schwangerschaft. Vor diesem Hintergrund bekommt das Thema einer weiteren Verhütungsmethode eine besondere Rolle, wenn die frischgebackenen Eltern vorerst kein weiteres Kind wünschen.

Verhütung nach der Stillzeit: Was ist zu beachten?

Während der Schwangerschaft verändert sich der weibliche Organismus stark. Nach der Geburt vergehen mehrere Wochen, bis sich der Körper schrittweise an ein Leben mit Baby anpasst. In diesem Zusammenhang verändern sich neben den körperlichen Voraussetzungen auch die persönlichen Bedürfnisse der Frau. Diese können sich in den Erwartungen an eine sichere Verhütungsmethode nach der Stillzeit widerspiegeln.

Vereinzelt nutzen Frauen diese Phase, um eine neue Alternative zur sicheren Empfängnisverhütung auszuprobieren. Dieser Wunsch kann bereits während der Stillzeit bedacht werden.

Sichere Verhütungsmethoden während der Stillzeit auf einen Blick

Barrieremethoden
Zur sicheren Verhütung nach der Geburt eignen sich vor allem das Kondom, Diaphragma oder die Verhütungskappe (Portiokappe). Diese Verhütungsmittel zählen zu den Barrieremethoden und greifen nicht in den Körper der Frau ein. Weder die Milchbildung noch der kindliche Organismus werden durch mechanische Verhütungsmittel beeinflusst. Wichtig ist jedoch die konsequente und sachgerechte Anwendung.

Wie verhüte ich am besten nach der Geburt?
Wie verhüte ich am besten nach der Geburt? © pexels

Minipille
Die Wirkung dieser Antibabypille beruht auf dem enthaltenen Gestagen. Dieses beeinflusst weder die Zusammensetzung noch die Bildung der Muttermilch. Ebenso wenig verkürzt sich die Stilldauer aufgrund der Mini-Pille (Pearl Index 0,2 bis 3). Aufgrunddessen ist die Minipille umgangssprachlich auch als „Stillpille“ bekannt.

Voraussetzung für eine zuverlässige Wirkungsweise des Präparates ist, dass die Einnahme täglich zum selben Zeitpunkt erfolgt. Aufgrund eines unregelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus kann dies während der ersten Lebensmonate des Babys vereinzelt schwierig sein.

Nach der Entbindung darf die Einnahme zwischen der siebten und neunten Woche beginnen. Nicht stillende Mütter können die Mini-Pille nach circa 21 bis 28 Tagen ab der Geburt einnehmen, wenn keine weitere Schwangerschaft vorliegt.

Spirale
Stillende Mütter können Hormonspiralen (Pearl Index 0,16) oder Kupferspiralen (Pearl Index 0,05 bis 3) zur Verhütung nutzen.

Das Hormon geht in die Muttermilch über. Wissenschaftlichen Untersuchungen zur Folge beeinflusst es weder die kindliche Entwicklung noch die Gesundheit.

Vor der Einlage der Spirale ist eine Schwangerschaft auszuschließen, wenn keine Monatsblutung stattfand und bereits ungeschützter Geschlechtsverkehr stattfand. Zudem ist während der ersten sieben Tage eine zusätzliche mechanische Verhütungsmethode zu nutzen.

Gynäkologen passen die Spirale zur Empfängnisverhütung erst sechs bis acht Wochen nach der Geburt an. Als Bedingung gilt, dass die Rückbildung vom Gebärmutterhals bereits abgeschlossen ist. Im anderen Fall besteht die Gefahr eine Ausstoßung beziehungsweise Infektion.

Dreimonatsspritze (Depot Spritze)
Ähnlich wie die Spirale kann diese Verhütungsmethode circa sechs bis acht Wochen nach der Entbindung genutzt werden.

Der Einfluss auf die Muttermilch ist ebenso vergleichbar. Studien konnten bis dato keine ungünstigen Auswirkungen auf das Kind feststellen.

Natürliche Empfängnisverhütung
Nutzten Frauen bereits vor der Geburt Methoden zur Fruchtbarkeitswahrnehmung, können diese ebenso während der Stillzeit von Interesse sein. Der Pearl Index der Basaltemperaturmethode kann zwischen 0,8 und 3 liegen.

Wichtig ist hierbei, dass sich Mütter diesbezüglich sicher fühlen und sehr gute Erfahrungswerte mitbringen. Gleichzeitig ist es vorteilhaft, wenn eine weitere Schwangerschaft problemlos vorstellbar wäre, denn zahlreiche natürliche Methoden sind bei einem sehr unregelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus nicht wirkungsvoll. Dies ist jedoch in den ersten Wochen nach der Geburt meistens der Fall. In diesem Zusammenhang kann die zusätzliche Nutzung von Barrieremethoden sinnvoll sein.

Bildquelle: istockphoto, pederk
© istockphoto, pederk

Pille danach
Stillende Frauen dürfen im Zweifelsfall die sogenannte Pille danach einnehmen. Zu beachten ist, dass die enthaltenen Hormone teilweise über die Muttermilch in den kindlichen Organismus gelangen. Je nach Medikament können Frauen nach acht Stunden (Levonogestrel) beziehungsweise acht Tagen (Ulipristalacetat) weiter stillen.

Verhütung reine Frauensache?
Obwohl seit Jahren daran gearbeitet wird, gibt es für Männer derzeit noch keine verlässliche hormonelle Verhütungsmethode. Eigenständig, sicher und zuverlässig verhüten können Männer derzeit nur mit dem Kondom oder durch eine Vasektomie.

Recherchequellen:

1.    http://www.familienplanung.de/verhuetung/verhuetung-nach-der-geburt/

2.    https://www.profamilia.de/erwachsene/eltern-sein/verhuetung-nach-der-geburt.html

3.    https://www.meds4all.com/ch/verhuetungsmethoden-stillzeit.html

4.    https://www.babycenter.de/a19786/empfängnisverhütung-nach-der-geburt
 

Titelbild: © PC-PRO/shutterstock.com

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