Gleiches Geld für gleiche Leistung

Auch 2021 verdienen Frauen weniger als Männer.

EQUAL PAY DAY – Frauen arbeiten jedes 7. Jahr Gratis

Die rote Tasche symbolisiert den Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen; Bildquelle: istockphoto, PIKSEL
© istockphoto, PIKSEL

Frauen verdienen weniger als Männer – und das bei gleicher Qualifikation, beruflicher Stellung und Arbeitszeit. Stell dir vor, du hast die gleiche Ausbildung, machst denselben Job – und verdienst trotzdem weniger als dein männlicher Kollege. Ungerecht, oder? Dieses Phänomen wird Gender Pay Gap genannt. EU-weit liegt der Unterschied zwischen Frauen- und Männer-Gehältern bei 15%.

Österreich schneidet mit „nur“ 14,3 % gut ab und hat sich im Gegensatz zum letzten Jahr (15.2%) etwas verbessert. Der grundsätzliche Trend stimmt als schon mal, es sind aber immer noch 14.3% zu viel.  In Deutschland ist der Unterschied mit 19% sogar höher als der EU-Durchschnitt.

Um auf diese Einkommensunterschiede hinzuweisen, gibt es jährlich den EQUAL PAY DAY. Initiert wurde dieser vom internationalen Karriere-Netzwerk Business and Professional Women (BPW). Jedes Jahr wird errechnet, wie viele Tage Frauen länger arbeiten müssen, um auf das gleiche Einkommen wie männliche Kollegen zu kommen.

In Österreich sind das umgerechnet 52 Arbeitstage, die Frauen pro Jahr umsonst arbeiten: vom 1. Januar bis zum 21. Februar. Das bedeutet, dass Frauen jeder 7. Jahr sogar gratis arbeiten. Da bekommt der Ausdruck „das verflixte 7. Jahr“ gleich eine ganz andere Bedeutung.

In Deutschland ist die Lohnlücke ja noch größer, daher müssen hier Frauen 69 Tage mehr arbeiten als Männer, um das Gleiche zu verdienen. Der Equal Pay Day fällt daher in Deutschland dieses Jahr auf den 10. März 2021.

Ursachen für den Pay Gap

Eine von vielen Gründen für diese Einkommensschere ist die fehlende Lohntransparenz: Über das Gehalt zu sprechen, ist weiterhin ein Tabuthema. Daher wissen viele Frauen gar nicht, dass männliche Kollegen in den gleichen Positionen um vieles mehr verdienen. Da fehlt dann die Grundlage für eine faire Gehaltsverhandlung.

Eine weiterer Hauptfaktor für den Gender Pay Gap: Rollenstereotype bei der Ausbildungs- und Berufswahl. So ist der gesamte Sozialbereich wie Pflege, Gesundheit, Erziehung und Bildung frauendominiert, während Jobs im technischen, naturwissenschaftlichen Bereich eher von Männer gewählt werden. Die frauendominierten Bereiche sind leider immer noch unterbewertet, nicht nur in der allgemeinen Wahrnehmung, sondern und vor allem beim Gehalt. Der Wert der Arbeit in diesen Bereichen ist nicht dem der männlichen Berufe gleichgestellt.

Außerdem sind es meistens Frauen, die ihre Erwerbstätigkeit für die Familie unterbrechen – sei es Elternzeit oder für die Pflege von Angehörigen. Auch bei der unbezahlten Sorgearbeit, auch Care Arbeit genannt, gibt es einen Gender Gap. In Deutschland wenden Frauen 87 Minuten am Tag mehr für Care Arbeit auf als Männer.

Auch wenn Teilzeit und Care Arbeit bei der jährlichen Berechnung des Pay Gaps nicht berücksichtigt wird (der Lohnunterschied basiert auf dem Vergleich von Vollzeitbeschäftigten), haben sie doch Auswirkungen bei der langfristigen Betrachtung. Denn wer nach Teilzeit oder Unterbrechung der Erwerbstätigkeit wieder einsteigt, hat mit immensen Einbußen beim Einkommen zu rechnen, die sehr lange nachwirken – bis in die Pension.

Vom Pay Gap zum Pension Gap

Geringeres Einkommen wirkt sich nicht nur auf den Kontostand und die Lebensqualität aus, sondern auch langfristig auf die Pension. Frauen leben zwar länger, die Frage ist: wovon?

Ohne ein finanzielles Vorsorgeprogramm führen die niedrigen Alterspensionen, die aktuell fast nur halb so hoch sind wie die Pensionen der Männer (42% um genau zu sein), zwangsläufig in die Altersarmut. Aber wann mit dieser Sparform beginnen – und vor allem, von welchem Einkommen etwas beiseitelegen, wenn es so oft nicht zum Leben reicht?

Wer nicht fragt, gewinnt nicht

Vielen Frauen fällt es im Business schwer, sich richtig zu vermarkten. Sie verlangen bei Gehalts- beziehungsweise Honorarverhandlungen nicht die Summe, die sie wert sind. Beim Einfordern, was ihnen zusteht, tun sie sich schwer.

Frauen unterschätzen den monetären Wert ihrer Arbeit stark und es fehlt ihnen oft das notwendige Know-How zum Verhandeln.

Auch wenn wir hier sicherlich noch einiges dazu lernen können, sollte nicht die gesamte Verantwortung auf uns abgewälzt werden. Die Politik sollte hier nachbessern: in Österreich müssen beispielsweise größere Betriebe (ab 150 Mitarbeitern) alle zwei Jahre Entgeltberichte abliefern. Das ist schon mal ein guter Schritt in Richtung Gehaltstransparenz. Das könnte doch auch für kleinere Betriebe (unter 150 Mitarbeiter) gelten, oder?

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