Interview mit Claudia Leitner zum Thema Burn Out 2

Öfter mal eine Auszeit nehmen trägt zur Burn Out Prävention bei

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Frage 4: Wie kann man einem Burn Out Syndrom frühzeitig gegenlenken?

Claudia Leitner: Wachheit und Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber, und natürlich auch Mut dem eigenen Ich ins Auge zu blicken, das ist die Devise.

Was wir hierzu brauchen ist einerseits Zeit und andererseits die Fähigkeit abzuschalten.

Zeit ist aber gerade bei Menschen, die dem Zwang unterliegen sich zu beweisen (siehe Stadium 1) und ihr Letztes dafür geben, um diesen Zwang auch befriedigen zu können (siehe Stadium 2) genau jener Faktor, der nicht zur Verfügung steht.

In meiner Beratungspraxis als Mentalcoach erlebe ich immer wieder die mehr als überfüllten Terminkalender meiner Kunden. Davon betroffen sind Angestellte, Arbeiter, unselbständig wie selbständig Erwerbstätige, Freiberufler, Hausfrauen und auch Pensionisten. Also quer durch alle Lebensbereiche, Berufs- und Altersgruppen.

Ein erster Schritt ist es, immer Zeitfenster für eine „Stille Stunde“ zu schaffen. Ich nenne es ganz bewusst „die stille Stunde“, weil diese Zeit genutzt werden soll, in die Stille zu gehen, Ruhe und Entspannung zu finden. Ein weiteres wichtiges Kriterium, um sich wirklich voll und ganz nur sich selbst widmen zu können und sensibel für die Signale von Körper, Geist und Seele zu werden.

In diesem Zusammenhang ist das Erlernen einer Entspannungstechnik sinnvoll. Ich persönliche arbeite besonders gerne mit der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson. Gerade Menschen, die ständig unter Strom stehen, finden hier über den Wechsel aus dem gewohnten Zustand der Anspannung in den ungewohnten Zustand der Entspannung einen guten Zugang, um in die Phase der Aufmerksamkeit und Ruhe zu kommen.

Der letzte Schritt ist es dann, sich in dieser Ruhe und Aufmerksamkeit dem eigenen Ich zuzuwenden und zu erfahren, wer dieses Ich eigentlich ist, was es braucht um ein gesundes, erfolgreiches Leben zu führen.

Kurz gesagt, das beste Mittel um frühzeitig gegenzulenken, ist sich regelmäßig Zeit zu nehmen, mit Körper und Geist in die Ruhe zu kommen und seinem „ICH“ regelmäßig ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken.

Damit wird ein Entwicklungsprozess eingeleitet, der es z.B. ermöglicht, die eigene Definition von Erfolg zu finden und auch danach zu leben.

Ich möchte hier noch einmal besonders die Regelmäßigkeit betonen. Ich empfehle mindestens einmal pro Woche solch eine Innenschau zu halten, aber je öfter umso besser. Wenn man es sich täglich einrichten kann, ist das natürlich optimal.

Zu Beginn dieses Prozesses ist es sinnvoll, sich professioneller Unterstützung zu bedienen. Je sensibler die eigene Wahrnehmung wird, umso besser kommt man damit dann auch allein zurecht. Eine durch einen Coach, Therapeuten oder Berater begleitete Standortbestimmung in regelmäßigen Abständen ist aber auch dann sinnvoll, wenn man schon Profi auf dem Gebiet des eigenen „ICH“ geworden ist.

Frage 5: Kann der Arbeitgeber auch zur Prävention beitragen?

Claudia Leitner: Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Seminare zum Thema Burn-out-Prävention an. Auch im arbeitsmedizinischen Bereich wird gute Aufklärungsarbeit geleistet.

Die Schwierigkeit hierbei ist jedoch, den Betroffenen bereits in einem Frühstadium zu erreichen und auf die Problematik zu sensibilisieren. Gerade in den Anfangsstadien sieht der Betroffene keinen Bezug zwischen der Burn-Out-Thematik und seinem Verhalten. Wie gesagt, im Stress zu sein und sein Letztes zu geben, gehört heute ja zum guten Ton.

Ein weiterer Punkt ist, dass die in Seminaren vermittelten Impulse, zwar mit großer Begeisterung angenommen werden, die Umsetzung im Alltag für den Einzelnen aufgrund verschiedenster Einflüsse nur begrenzt oder gar nicht machbar ist.

Führungskräfte mit direkter Personalverantwortung sollten speziell zum Thema Burn-out geschult werden. Als unmittelbare Vorgesetzte sind sie mit ihren Mitarbeitern sozusagen auf „Tuchfühlung“ und wären dadurch bei entsprechender Information und Schulung natürlich auch in der Lage, Tendenzen oder Anzeichen von Burn-Out bei den ihnen anvertrauten Mitarbeitern frühzeitig zu erkennen. Früherkennung bedeutet einerseits dem Betroffenen selbst viel Leid und andererseits dem Unternehmen viel Geld zu ersparen.

Wie wir ja alle wissen sind Führungskräfte - egal auf welcher Stufe der Hierarchieleiter sie auch stehen mögen - auch „nur“ Menschen mit individuellen Bedürfnissen und individuellen inneren Wahrnehmungen, Normen und Werten und ihrer eigenen ganz persönlichen Geschichte. Eine Führungskraft, die aufgrund dieser Tatsachen, selbst Gefahr läuft in ein Burn-Out zu schlittern, wird wohl kaum in der Lage sein, Burn-Out Symptome bei den Mitarbeitern in seinem Verantwortungsbereich zu erkennen oder gar sinnvoll gegen zu lenken.

Ich würde mir wünschen, dass sich die Kultur z.B. im Bereich der Personalentwicklung verstärkt dahin gehend entwickelt, dass es zur Selbstverständlichkeit wird, dass Führungskräfte mit Personalverantwortung in einem regelmäßigen Coachingprozess bei der zu leistenden Führungsarbeit begleitet werden.

Ziel sollte es dabei sein, sich selbst gesund zu erhalten und damit auch einen Beitrag zum gesunden Wachstum jedes einzelnen Mitarbeiters, der ganzen Abteilung und nicht zuletzt des gesamten Unternehmens beizutragen. Letztlich ein Gewinn und zwar für alle Beteiligten.

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