Berufstätige Mütter und Väter: was sind die größten Herausforderungen? (Teil 4)

Wie verändert sich das Rollenbild?

Frank Grtner/Fotolia

     

Die Gestaltung des Lebensmodells muss immer wieder neu erfunden werden; Bildquelle: istockphoto, hidesy

Die Gestaltung des Lebensmodells muss immer wieder neu erfunden werden; Bildquelle: istockphoto, hidesy

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Im Wandel: Rollen, Muster und Motive

Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die hohe Bedeutung von Werten und Überzeugungen für die Gestaltung des eigenen Lebensmodells. Denn herkömmliche Vorstellungen, eigene und die der Umwelt, müssen immer wieder hinterfragt und verworfen werden. Stattdessen wird viel ausgehandelt zwischen den Partnern in einem fortlaufenden Prozess, der das Leben der Paare begleitet.

Angesichts vieler Widerstände ist eine starke innere Überzeugung und Entschiedenheit notwendig, um dieses Lebensmodell umzusetzen. So ist die frühzeitige und klare Ansprache bzw. Aushandlung des Lebensmodells eine wichtige Erfolgsstrategie der untersuchten Paare.

Oft wurden schon zu Beginn der Beziehung erste Absprachen getroffen, wie man Karriere und Kinder künftig gemeinsam unter eine Hut bekommen will. Auf diese Weise vermeiden sie, unbewusst gesellschaftlich vorstrukturierten Mustern zu folgen und sich plötzlich und ungewollt in einem traditionellen Arrangement der Geschlechter wieder zu finden.

Zum Teil wirkte hier auch ein Auslandsaufenthalt motivierend: Einige Paare berichteten, dass sie bei einer temporären Berufstätigkeit im Ausland erlebten, wie selbstverständlich die Berufstätigkeit beider Partner trotz Familie sein kann. Diese Erfahrung hat eine Vorbildwirkung für die Gestaltung ihres eigenen Modells entfaltet.

Auch bei der Entscheidung, ob ein Mann in Elternzeit geht oder nicht, sind Werte und Überzeugungen von hoher Bedeutung. Nur für ein knappes Drittel der Befragten spielte die Gehaltsdifferenz zwischen den Partnern eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, wer aufgrund der Geburt eine berufliche Auszeit nimmt oder Arbeitszeit reduziert. So sagten nur 31% der Teilnehmenden der Online-Befragung, dass „Der/die Partner/in mit dem geringeren Lohn zu Hause bleibt bzw. reduziert“. Deutlich wichtiger ist den Paaren eine gleiche Rollenverteilung und dass beide Elternteile einen engen Bezug zu dem Kind/den Kindern aufbauen.

Nicht so leicht: Modell voller Herausforderungen

Die Studie zeigt: Wenn es gelingt, eine anspruchsvolle Berufstätigkeit mit Kindern zu vereinbaren und für sich selbst eine stimmige Balance zu erreichen, ist dieses Lebenskonzept ein Erfolgsmodell. Alle Seiten profitieren davon. Doch es bedarf hoher persönlicher Leistung und Entschiedenheit, entgegen dem immer noch tief verankerten Modell zu leben, wonach der Mann der Haupternährer ist und die Frau doch vorwiegend für die Kinder und den Haushalt zuständig zu sein hat.

Herausforderungen liegen vor allem auf folgenden Ebenen:

  • überlieferte Rollenmuster und Erwartungen - dies gilt für die Frauen, aber mehr noch für die Männer
  • die unzureichende Infrastruktur zur Betreuung und Bildung von Kindern
  • relativ starre Karrierewege in den Unternehmen, in denen zugleich eine Anwesenheitskultur herrscht und, damit verbunden:
  • das fortwährende Ringen um Zeit.

Mehr als die Hälfte der Männer und ein Drittel der Frauen wünschen sich, weniger zu arbeiten. Fast die Hälfte der Teilnehmenden hätte gern mehr Zeit für die Kinder. Fast 90 Prozent wünschen sich mehr Zeit für den Partner bzw. die Partnerin.

Die Paare machen kein Hehl daraus, dass ihre privilegierte finanzielle Situation entscheidend dabei hilft, dieses anspruchsvolle Lebensmodell zu verwirklichen. Doppelkarrierepaare investieren erhebliche finanzielle Mittel um Kinderfrauen, Babysitter, Haushaltshilfen, Einkaufsservices etc. zu bezahlen. Die neuen Paaren benötigen darüber hinaus ein gut funktionierendes Unterstützungsnetzwerk: vom Freundeskreis bis hin zu den Großeltern.

Nähere Infos und Bezugsquellen der Studie unter www.eaf-berlin.de

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