Unternehmerinnen-Porträt: Timea Hipf von Natural Crunchy

Timea Hipf, Start-up-Gründerin und Mutter - wie gelingt beides?

© Edina Finta

   

Mit 40 Jahren und schwanger machte Timea sich 2017 selbstständig. Sie gründete die Bio-Marke NATURAL CRUNCHY, um einen Knabbersnack auf den Markt zu bringen, der kein Junkfood, sondern funktional Food ist. Neun Sorten Knabbersnacks und Frühstückszerealien aus Hülsenfrüchten vertreibt sie mittlerweile. Gerade launcht sie ihr neues Produkt PROTEIN CRACKERBREAD, eine eiweißreiche Alternative zu herkömmlichen Knusperbroten. Alle Produkte wurden nach dem Clean-Eating-Prinzip entwickelt. Das bedeutet, dass sie aus wenigen, aber hochwertigen Zutaten bestehen. Zudem sind sie aus biologischem Anbau und vegan sowie frei von Gluten, Gentechnik und Palmöl.

Timea Hipf, Gründerin von Natural Crunchy

Timea Hipf, Gründerin von Natural Crunchy

© Edina Finta

Timea, du hast nach über 15 Jahren deinen Job bei einer Bank aufgegeben und ein Bio-Snack-Start-Up gegründet. Wie kam es dazu?

Timea Hipf: Eigentlich hatte ich nie vor, mich selbstständig zu machen. Aber als ich 2008 mit meinem ersten Kind in Karenz ging, wollte ich etwas dazu verdienen. Ich hatte schon immer viele Produktideen und begann, diese für ungarische Produzenten zu entwickeln und in Europa zu vertreiben. Das habe ich auch weiter gemacht als ich schon lange wieder in Vollzeit in der Bank tätig war.

2015 hatte ich dann die Idee, Snacks aus hochwertigen Linsen und Erbsen, statt klassischem Weizen und Mais herzustellen. Ich stellte das Produkt meinen üblichen Kunden vor und bekam viel positives Feedback. Aber diese neue Art von Snacks aus Hülsenfrüchten war damals noch unbekannt und niemand traute sich, es unter seiner Marke zu launchen.

Also gründete ich 2017 NATURAL CRUNCHY, um die Snacks selbst auf den Markt zu bringen. Zeitgleich schenkte ich mir zu meinem 40. Geburtstag ein Sabbaticaljahr und nahm eine Auszeit von der Bank. Ich wollte mich ganz auf mein Start-Up konzentrieren und herausfinden, ob es funktioniert. Schon wenige Monate später war klar, dass ich nicht in die Bank zurückkehren werde. Daran änderte sich auch nichts als ich kurz darauf erfuhr, dass ich zum zweiten Mal schwanger war. Ich wusste: Ich will beides!

Woher kam die Idee zu den Snacks?

Timea: Mein Mann und ich treiben beide viel Sport. Er ist Triathlet und ich Schwimmerin. Uns ist beiden eine gesunde Ernährung wichtig, aber trotzdem wollen wir abends vor dem Fernseher auch mal knabbern. Und zwar ohne schlechtes Gewissen! Ich wollte einen Snack, der gute Nährwerte, einen hohen Proteinanteil sowie Mineralien und Ballaststoffe beinhaltet. Die Lösung waren Snacks aus Hülsenfrüchten nach dem Clean-Eating-Prinzip.

Timea wird tatkräftig von ihrem Mann unterstützt.

Timea wird tatkräftig von ihrem Mann unterstützt.

Dein Mann spielt eine wichtige Rolle in deinem Unternehmen. Was sind seine Aufgaben?

Timea: Richtig. Ohne meinen Mann würde es nicht gehen! Ich habe gegründet, aber er unterstützt mich in allen Bereichen. Vor allem nimmt er mir die Aufgaben ab, die ich selbst nicht gerne mache oder kann. Zum Glück liegen gerade da seine Stärken!

Er betreut den Internetauftritt und Webshop von NATURAL CRUNCHY und kümmert sich um alles, was mit Zahlen zu tun hat. So habe ich Zeit, mich auf das Marketing und die Produktentwicklung zu konzentrieren.

Unternehmerin und Mutter: Wie schaffst du beides?

Timea: Organisation. Auch das würde ohne meinen Mann nicht funktionieren. Er unterstützt mich nicht nur im Unternehmen, sondern auch zu Hause. Als wir erfuhren, dass wir ein zweites Kind kriegen würden, stand meine Entscheidung, meinen Job in der Bank aufzugeben, bereits fest. Mein Mann unterstützte diesen Weg vom ersten Tag an. Er ging für ein Jahr in Karenz. So kümmern wir uns beide um das Baby. Auch unser älterer Sohn – er ist gerade 14 – hilft schon viel bei der Betreuung seiner kleinen Schwester.

Hast du deine Entscheidung jemals bereut?

Timea: Nein. Natürlich gibt es Momente, in denen es schwer ist und ich stehe oft vor Herausforderungen – beruflich wie privat. Das beginnt mit der Preiserhöhung von Rohstoffen aufgrund einer schlechten Ernte über die Vorfinanzierung von neuen Projekten bis zum Covid-19-Jahr, das ich vermutlich niemanden erklären muss. Die größte Herausforderung ist es aber, gelistet zu werden. Die Supermärkte füllen ihre Regale nicht mit den besten und innovativsten Produkten, sondern mit denen, die das größte Marketingbudget haben. Das macht es kleinen Marken wie unserer schwer, vor einem großen Publikum bekannt zu werden.

Trotzdem überwiegen die Vorteile der Selbstständigkeit. Ich kann selbst entscheiden, welche Projekte ich umsetze und das produzieren, was ich für gut und gesund halte. Außerdem bin ich einfach ein Workaholic. Ich liebe es, zu arbeiten und neue Produkte zu entwickeln. Ganz kribbelig werde ich, wenn wir eine neue Verpackung kreieren und diese dann über die Druckwalze läuft. Da bin ich so richtig high vor Freude. Das treibt mich an!

Was sind deine Tipps für Mompreneurs?

Timea: Wenn du eine Idee hast, dann mach es einfach! Fang klein an oder finde gleich Geldgeber, aber versuche es einfach. Jemand hat mal gesagt, wer es nicht versucht, hat schon verloren.

Außerdem ist es wichtig, sich von Anfang an Unterstützung ins Boot zu holen. Du kannst als Unternehmerin und Mutter nicht beides komplett allein machen – eine Seite wird sonst immer zu kurz kommen. Ich hatte das Glück, diese Unterstützung bei meinem Mann zu finden. Die Zusammenarbeit zwischen uns funktioniert großartig, vor allem weil wir immer ganz offen und klar miteinander kommunizieren. So gibt es keine Missverständnisse.

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